Dienstag, 20. August 2013

Taucher, Prostituierte, Singles, Tierfreunde ... -- Liegen die Spezial-Gottesdienste wirklich voll im Trend?

Evangelische und katholische Kirche sind mittler-
weile sehr experimentierfreudig, was Gottesdienst-Angebote betrifft. Während solche Sonder-Angebote sich früher auf Gruppierungen wie Schulanfänger, Jugendliche, Frauen, Senioren, Wallfahrer usw. beschränkten und in Anzahl und Häufigkeit recht überschaubar blieben, suchen manche Pfarrer und Diözesan-Vertreter angesichts schrumpfender Zah-
len beim Gottesdienstbesuch seit einigen Jahren verstärkt ihr Heil in der starken Erweiterung von Spezialgottesdiensten für diverse Gruppen. In der Fachsprache ist da von "Spartengottesdiensten" die Rede, so wie es auch ein "Spartenfern-
sehen" z.B. für Sportbegeisterte gibt.
Auf die Schnelle konnte ich im Internet u.a. Gottesdienstangebote aus-
findig machen für Taucher, für Prostituierte, für Singles, für Liebende,
für Geschiedene, für Tierfreunde, für Motorradfahrer, für Wanderer,
für Fußballfans, für Twitterer, für Theater-, Literatur- und Filmfreunde,
für Ungläubige-auf-Zeit, für Schwule usw. Auch ein erotischer Kuschel-
gottesdienst ist mit dabei. Ganz sicher ist das Gottesdienst-Angebot damit nicht erschöpft...

Doch es mehren sich auch die Stimmen, die die Ausweitung solcher Spezialgottesdienste kritisieren. Viel Kraft, viel Zeit und viel Personal wird da zuweilen für kleine Gruppen investiert. Ob sich der große Aufwand aber lohnt?
Das Erzbistum Köln und die Kölner Innenstadtpfarrei St. Michael planten z.B. mit viel Werbeaufwand einen Single-Gottesdienst, sogar recht originell und mit dem verlockenden Thema "Freiheit und Lebensfreude" beworben ---> KLICKEN !
Da jeder vierte Einwohner Kölns ein Single ist, schien die Idee naheliegend. Doch nach dem Gottesdienst am 1. Advent 2012 sah man enttäuschte Ge-
sichter: Einschließlich des Vorbereitungsteams waren ganze 35 Leute in der Kirche...

Ein (evangelischer) Theologie-Professor zieht jetzt Bilanz. Wie Eberhard Hauschildt aus Bonn nach einer Analyse solcher Angebote feststellt, haben sich die Erwartungen, neue Gottesdienstbesucher zu gewinnen, "nicht bewahrheitet". ---> KLICKEN !
Wie andere, sieht auch der Professor die konkrete Gefahr der Zersplitte-
rung. Gerade das gemeinsame Feiern des Gottesdienstes ist Markenzeichen der Christen. Alle kommen zum Lobe Gottes zusammen, egal ob reich, arm, alt, jung usw.
Professor Hauschildt ist sich sogar sicher, dass durch gute traditionelle Gottesdienste die Besucherzahl um bis zu 50 % erhöht werden könnte.

Kommentare:

  1. Ich glaube nicht, dass es im Sinne Jesu ist, wenn wir jetzt jedem Clübchen einen Extra-Gottesdienst spendieren. Die Folge wird ohnehin vor allem die sein, dass das Anspruchsdenken weiter wächst: Ich komme nur in die Kirche, wenn mir auch richtig was geboten wird...
    Diese Individualisierung wird sich rächen!

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  2. Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Gottesdienst als Veranstaltung zum persönlichen Lustgewinn verstanden wird. Der ganze Klimbim erinnert an das Professoren-Memorandum 2011 und an die Priester-Initiative. Am besten baut man in der Kirche Kinosessel an, bietet kostenlos Popcorn und Cola. Selbstverständlich Internet an jedem Platz. --Nur weiter so!

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  3. Theoretisch ist die Erkenntnis des Professors richtig, zumal sich auch herausgestellt hat, dass die Besucher von solchen Spezialgottesdiensten in aller Regel sowieso als kirchennah oder gar als aktive Gemeindemitglieder einzustufen sind.
    Aber was soll ein Pfarrer machen, wenn ihm die Räte ständig damit in den Ohren liegen???

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