Dienstag, 10. September 2013

Hiobsbotschaft: "WELTBILD" vor der Pleite? -- Wer spielt da welches Spielchen?

Gestern verkündete es die "FAZ": Der Fortbestand der Verlagsgruppe "WELTBILD" sei akut bedroht. Die Banken "einschließlich der kirch-
lichen Banken LIGA und PAX"
verhielten sich derzeit so, "dass die Zah-
lungsunfähigkeit des Unternehmens nicht ausgeschlossen ist"
.
Oder im Klartext: Es scheint derzeit keine Bereitschaft der Banken zu geben, dem Unternehmen mit weiteren Krediten unter die Arme zu greifen. Die Schreckensnachricht machte sofort die Runde, und so war es binnen weniger Stunden für manche schon eine ausgemachte Sache: "Der Verlags-
gruppe Weltbild steht... die Insolvenz bevor"
(Börsenblatt des deutschen Buchhandels).
Da wird derzeit mal wieder in den Medien recht großzügig mit Spekulationen umgegangen. Die Geschäftsleitung von WELTBILD ist empört: Derzeit sei eine große Um-
bauphase im Gange, fort vom Laden-
geschäft und hin zum Online-Geschäft. Dieser teure Umbau führe zu vorübergehenden Verlusten. Die Gewerkschaft Verdi zeigt sich über-
rascht und stellt die interessante Frage, "wer hier welches Ziel verfolgt". Man arbeite mit Hochdruck und vollem Einsatz an der schwierigen Um-
bauphase und erwarte, "dass die Eigentümer hinter uns stehen".
Und da kommen wir auch langsam zu des Pudels Kern: Die 14 Eigentümer, darunter 12 deutsche Diözesen, sind offenbar nicht willens oder in der Lage, eine klare Linie zu fahren. Nach dem schwierigen Jahr 2011 und den öffentlichen Diskussionen um "Schmuddeliges" im katholischen Verlags-
programm sollte der Verkauf des Buchhandelsriesen (immerhin ca. 6.800 Mitarbeiter!) mittelfristig das Ziel sein. Nachdem sich abzeichnete, dass dies voraussichtlich nur mit finanziellem Verlust möglich ist, entschloss man sich seitens der Bischöfe zur Überführung der Eigentumsanteile in eine Stiftung. Die ist allerdings auch nach über einem Jahr immer noch nicht in Sicht.

Was für ein Spielchen wird aber aktuell gespielt? Man munkelt, einige der Bischöfe fühlten sich jetzt nicht mehr an den eigenen Beschluss gebunden und wollten verkaufen. Die Banken ihrerseits sehen in dieser unüber-
sichtlichen Eigentümersituation ein erhöhtes Risiko und zieren sich mit Krediten. Man erwarte innerhalb weniger Wochen jetzt endlich eine klare Linie, wie die Eigentümer sich die Zukunft des Unternehmens eigentlich denken. Die jetzigen Diskussionen dürften auch den Kreditzins in die Höhe treiben, wenn es denn zu weiterer Finanzierung kommt. Die Banker erwar-
ten von den Bischöfen ein klares Zeichen durch ein zusätzliches finanzielles Engagement. Die aber haben bereits ca. 200 Millionen hineingebuttert und sind entsprechend zögerlich.

Dem Verlagshaus und den zahlreichen Mitarbeitern ist mit Zögern aller-
dings nun wirklich nicht zu helfen. Entweder -- oder, so heißt es jetzt, und spätestens bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda (23. - 26. September) schlägt die Stunde der Wahrheit. Wenn man noch länger war-
tet, dürfte das sprichwörtliche Kalb versoffen sein.
Und dann möchte niemand in der Haut der deutschen Bischöfe stecken, wenn es um die Verantwortung für Tausende von Arbeitsplätzen geht.
Das Abenteuer WELTBILD hatten die Bischöfe sich wohl deutlich anders vorgestellt...


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