Sonntag, 3. November 2013

Heilige Messe auf "platt" -- Gehört Mundart in den Gottesdienst oder eher nicht?

Gottesdienste im örtlichen Dialekt kommen gut an und werden immer beliebter. Aber ist es wirklich ein stichhaltiges Argument, wenn man darauf hinweist, dass man so die Kirche wieder voll bekommt? Ist das Ganze nicht auch so etwas wie eine Gaudi, wie eine Folklore-Veranstaltung?
Wo liegen die Chancen, und wo liegen die Grenzen? - Die Meinungen gehen sehr auseinander, und das Erzbistum Köln beispielsweise hat sogar eine Handreichung dazu herausgegeben (pdf) ---> KLICKEN !

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Kommentare:

  1. Die von Ihnen verlinkte Kölner Handreichung bringt es auf den Punkt: Dialekt in einem (Wort-) Gottesdienst, wenn das nur ab und zu geschieht: Warum nicht...?!
    Bei der Heiligen Messe allerdings gilt: die Messtexte müssen in jedem Falle in der korrekten Liturgiesprache vorgetragen werden.

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  2. Wie wär's mit Latein? Mit ein wenig Übung versteht das JEDER. Auch der Fremde, der als Tourist oder wie auch immer zu Besuch kommt.

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  3. Ordinariatsgeschädigter3. November 2013 um 19:15

    Keine katholische Gemeinde schmort im eigenen Saft. Fast immer sind auch Gäste von auswärts in der Heiligen Messe. Schon allein deshalb verbietet sich das Platt von selbst.
    Abgesehen davon muss man nicht jeden Schnick-schnack mitmachen, weil man damit Leute einfangen kann, die sonst die Kirche nicht betreten.
    An Karneval mag das angehen, aber an normalen Sonntagen möchte ich so etwas bitte nicht erleben !!!

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  4. Maßgeblich ist da auch die Instruktion „Liturgicam authenticam“
    http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20010507_liturgiam-authenticam_ge.html

    Da liest man:
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    12. Als notwendig erweist sich außerdem, im liturgischen Bereich zwischen Sprachen und Dialekten zu unterscheiden. Aufgrund ihrer besonderen Beschaffenheit können Dialekte, die sich für die allgemeine akademische und kulturelle Kommunikation nicht eignen, nicht in den vollen liturgischen Gebrauch aufgenommen werden; denn ihnen fehlen die Beständigkeit und die Weite, die für liturgische Sprachen innerhalb eines größeren Gebietes erforderlich sind. Jedenfalls soll die Zahl der partikulären liturgischen Sprachen nicht zu sehr vermehrt werden.(14) Das ist notwendig, damit in den liturgischen Feiern innerhalb des Gebietes derselben Nation eine gewisse Einheit der Sprache gefördert wird.

    13. Eine Sprache aber, die nicht in den vollen liturgischen Gebrauch aufgenommen wird, ist deshalb nicht ganz vom liturgischen Gebrauch ausgeschlossen. Sie kann, wenigstens gelegentlich, im Allgemeinen Gebet, in Texten, die gesungen vorgetragen werden, in Monitionen oder in Teilen der Homilie gebraucht werden, vor allem wenn es sich um die eigene Sprache der teilnehmenden Christgläubigen handelt. Es bleibt jedoch immer die Möglichkeit, die lateinische Sprache oder eine andere in derselben Nation weit verbreitete Sprache zu verwenden, auch wenn sie weder die Sprache aller noch der meisten Christgläubigen ist, die hier und jetzt an der liturgischen Feier teilnehmen, sofern dadurch Zwietracht unter den Gläubigen vermieden wird.

    14. Weil der Gebrauch von Sprachen in der Liturgie durch die Kirche die Entwicklung der Sprache selbst prägt, ja sie bestimmen kann, soll man dafür sorgen, dass jene Sprachen gefördert werden, die, auch wenn sie vielleicht keine lange literarische Überlieferung kennen, offensichtlich von der Mehrzahl der Leute gebraucht werden können. Ein Zersplittern in Dialekte ist zu vermeiden, zumal wenn irgendwo ein Dialekt von der rein mündlichen zur schriftlichen Form übergeht. Im Gegenteil: Es ist immer zu wünschen, dass die den Gemeinschaften der Menschen gemeinsamen Sprachformen unterstützt und gefördert werden.
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  5. Einige Bemerkungen ganz abseits von Liturgie und Religion überhaupt (aber trotzdem zum Thema):
    Die Frage ist, wann ist eine Sprache eine "Sprache" und wann ein Dialekt? Man kann das schwer bis überhaupt nicht abgrenzen. Es ist tatsächlich so, dass aus politischen Gründen Sprachgrenzen gesetzt werden, wo rein linguistisch gesehen gar keine da sind; umgekehrt werden oft echte Grenzen zwischen Sprachen aus politischen Gründen geleugnet.
    z.B.: Was ist " Lëtzebuergesch"? Aus linguistischer Sicht ein moselfränkischer Dialekt des Deutschen. Sprachsoziologisch die Nationalsprache von Luxemburg (seit 1984).
    Was ist "Katalanisch"? Linguistisch gesehen eine eigenständige Sprache. Unter der Franco-Diktatur wurde es als spanischer Dialekt behandelt, den es zu verdrängen galt. Die römisch-katholische Kirche (in vorderster Front das Kloster Montserrat) hat seit den 60-er Jahren Messen auf (offiziell vom Staat verbotenes) Katalanisch gehalten. Heute hat das Katalanische wieder den Stand, der ihm zukommt, nämlich den einer eigenen Sprache.
    Was ist "Galizisch"? Unter Franco natürlich ein Dialekt (des Spanischen). Linguisten (Achtung: Es folgt ein Imperfekt!) hielten Galizisch für einen Dialekt des Portugiesischen. Heute gilt es als eigenständige Sprache. Wie man inzwischen weiß, hat sich das Galizische zuerst aus dem Iberoromanischen Kontinuum ausgegliedert und sich dann weiter nach Süden ausgebreitet. Die südliche Form wurde dann zum Portugiesischen. Das Portugiesische also ein Dialekt des Galizischen?
    Bis in die 90er Jahre gab es auf der Balkanhalbinsel eine Sprache namens "Serbokroatisch" in mehreren (offiziell anerkannten) Ausprägungen/Dialekten wie z.B. Kroatisch, Serbisch, Bosnisch. Heute gelten diese Dialekte als eigenständige Sprachen. Dazu wäre noch zu sagen, dass es das standardisierte "Serbokroatische" mit den Dialekten Kroatish, Serbisch, Bosnisch erst seit dem 19. Jh. gab. Vorher gab es die Sprachen Kroatisch, Serbisch, Bosnisch.
    Was macht man mit Sardisch? Es ist eindeutig eine eigenständige Sprache, weder ost- noch westromanisch, sondern sozusagen seine eigene Sprachgruppe innerhalb der Romania. Es existieren mehrere sardische Dialekte, auf einen gemeinsamen Standard hat man sich noch nicht einigen können. Also keine Messen auf Sardisch, oder wie?
    Und jetzt zu Deutsch: Aus linguistischer Sicht sind Hochdeutsch und Niederdeutsch (Plattdeutsch) 2 unterschiedliche Sprachen, die beide aus mehreren Gründen (einer davon war Bibelübersetzung durch Luther) vom heutigen Standarddeutsch (einer Variante des Hochdeutschen) überdacht wurden. Jetzt wird es kompliziert: Aus rein sprachwissenschaftlicher Sicht ist Platt also eine eigene Sprache, aus sprachsoziologischer Sicht ein Dialekt. Eine Variante des Platt ist Niederländisch. Das Niederländische ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht also ein Dialekt des Niederdeutschen = Platt, aus sprachsoziologischer Sicht eine eigenständige Sprache.
    Viel Spaß jetzt nicht nur bei der Diskussion darüber, ob Platt im Gottesdienst verwendet werden darf, sondern auch darüber, ob Holländer und Flamen ihre Gottesdienste im plattdeutschen Dialekt "Niederländisch" halten dürfen oder nicht!

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  6. Mir fällt dazu ein, dass es im Bairischen die lange Tradition gibt, zentrale Begriffe des katholischen Glaubens aus Respekt nicht in der bairischen Lautform zu benutzen. So müsste es eigentlich heißen "hoaliger Goast", aber man sagt "heiliger Geist". Das gilt schon seit Jahrhunderten, also lange bevor die Dialekte in die Defensive gerieten.

    Umgekehrt ist ein bayerischer Pfarrer kaum in der Lage, in lupenreinem Standarddeutsch zu predigen - man hört den Zungenschlag immer durch.

    Wenn Glaube und Dialekt intakt sind, wird es also ohnehin kein Problem geben und man wird für die Liturgie einen Mittelweg zwischen (respektvoller) Schriftsprache und (natürlicher) Umgangssprache finden. Die Liturgie mit Gewalt zu "dialektisieren", um mehr Leute zu holen, oder gar um den Dialekt zu fördern, scheint mir dagegen der falsche Weg.

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