Montag, 28. April 2014

Warum Maiandachten? -- Mit Maria Gott loben



In den meisten katholischen Kirchen fin-
den wir ihn bald wieder: den „Maialtar“, also einen besonders schönen Blumen-
und Kerzenschmuck für die Marienstatue. Während im Oktober der Rosenkranz im Mittelpunkt steht, ehren wir im Mai be-
sonders Maria als Gottesmutter.

Mittlerweile gibt es sogar schon ökume-
nische Maiandachten, denn  „Maria ist nicht nur katholisch, sie ist auch evange-
lisch. Protestanten vergessen das leicht.“
(Evangelischer Erwachsenenkatechismus, S.392)

Im theologischen Dialog sind beim Thema schon erfreuliche Fortschritte erzielt worden, doch in den Köpfen vieler evangelischer Christen ist immer noch eine deutliche Abwehrhaltung vor-
handen. Häufig werfen Protestanten den Katholiken vor, Maria zu Gott zu machen; man betreibe katholischerseits „Götzendienst“, denn nur Jesus Christus sei der Weg zum Heil.

Daher der Eindeutigkeit halber nicht nur für evangelische Leser:
Wir Katholiken wissen, dass wir uns im Gebet direkt an Gott wenden können. So geschieht es auch in der Regel, z.B. in jeder Heiligen Messe,
im Vaterunser usw.

Wir wissen aber auch, dass wir (wie in unserem alltäglichen Leben auch so oft) Hilfe in Anspruch nehmen dürfen, auch die von Maria. Dabei ist Maria nie eine Konkurrenz für Gott. Ihn allein beten wir an. Der Mond ist auch keine Konkurrenz für die Sonne -  so wie der Mond „leuchtet“ Maria nicht aus eigener Kraft, sondern sie empfängt ihr „Licht“ direkt von Gott.
Allen Aussagen über Maria liegt der Kerngedanke zugrunde:
Gott handelt konkret in der Weltgeschichte, er ist kein Theoretiker.              Die Menschen sind von ihm eingeladen und berufen, im Rahmen ihrer Kräfte und Möglichkeiten an seinem Heilswerk mitzuwirken.                    Wirkliche Marienverehrung ist nicht kurzfristiger Überschwang der Ge-
fühle, sondern sie zeigt sich im weiteren konkreten Verlauf des Lebens des betreffenden Christen. So ist es z.B. sehr aufschlussreich, dass nirgendwo so viel gebeichtet wird und ehrliche Lebensumkehr geschieht wie gerade in Marien-Wallfahrtsorten.

Es kommt eben darauf an, sich wirklich an Maria auszurichten, an ihr zu orientieren auf dem Weg zu Gott. Maria, die Mutter, ist besorgt um uns.
Sie sieht die schlimme Lage der Welt,  die Gottferne und die zunehmende Menschenverachtung.  

Wenn wir Maria  im Gebet um Hilfe für uns und alle bitten, dann heißt das: wir wollen ihr gestatten, dass sie uns an der Hand nimmt und zu Gott führt. Was wir dafür brauchen, ist nicht viel: nur Vertrauen, wirkliches Vertrauen!
Was Maria bei der Hochzeit zu Kana den Dienern bei den leeren Wein-
fässern sagte, das gilt auch für uns: „Was er euch sagt, das tut!“ – Maria nimmt unsere Notsituationen ganz feinfühlig wahr und handelt, indem sie ihren Sohn um Hilfe bittet. Heute würde man mit einem modernen Aus-
druck dazu sagen: Maria arbeitet lösungsorientiert! ...
Maria erlebt aber nicht nur Schönes, sondern auch die Abgründe des menschlichen Tuns, zum Beispiel den Leidensweg und die Kreuzigung ihres Sohnes. Gott ist durch die Ankündigung des Engels geradezu in ihr Leben hineingeplatzt, plötzlich und unvorbereitet.
Unerwartete Situationen gibt es in jedem Menschenleben mehr als genug. Maria jedenfalls ist entschlussfreudig, zaudert nicht und sagt auch nicht: vielleicht, mal sehen…!  Sie lässt ihre eigenen Lebenspläne durchkreuzen, auch wenn die Leute wer weiß was über sie erzählen…
Maria gibt sich ganz in Gottes Hand. Sie fragt nur kurz nach:  „Wie soll das geschehen?“ - Dann sagt sie JA zu ihrer Berufung, egal, was kommen mag, egal, was Gott sich da ausgedacht hat.
Ihr JA ist bedingungslos, ohne Hintertürchen, ohne doppelten Boden:
„Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.“
(Lk 1,38) - So ist Maria unser mutiges Vorbild: Sag auch du „JA“ zu Gottes Ruf, sei auch du mutig! - Wenn Gott dir etwas zutraut, schenke du ihm auch dein Vertrauen!
Haben wir noch nie jemand in Schutz genommen?
Ganz sicher haben wir unser eigenes Kind mal gegen Angriffe verteidigt, ganz sicher haben wir schon mal ein Familienmitglied gegen einen unbe-
rechtigten Vorwurf in Schutz genommen! – Und selbst haben wir das sicher auch schon erlebt, dass uns jemand in der Not zur Seite gestanden hat, als wir in der Klemme waren. Das machen sogar die primitivsten Menschen. Man lässt ein Mitglied der Sippe nicht im Stich.
Aber Maria soll seelenruhig zusehen, wie die Menschheit im Sumpf ver-
sinkt, ohne dass sie ihren Sohn darauf anspricht und uns schützen will? Eine seltsame Vorstellung von einer liebenden Mutter…!
Gott hatte offenbar da mehr Vertrauen in Maria als so mancher Christ heute. Maria ist Jesu Mutter, weil Gott es so wollte, und weil er gerade sie ausgesucht und gefragt hat. Gott hat sich für Maria entschieden. Die Ini-
tiative ging nicht von ihr aus, sondern von Gott.
Wenn wir Maria verehren, loben wir Gott wegen seines liebenden Beschlusses zum Heil aller Menschen. Das wusste auch schon Maria in ihrer Zeit auf Erden. „Denn siehe, von nun an werden mich preisen selig  alle Geschlechter“ (Lk 1,48), jubelt Maria über das große Erbarmen des Herrn. Maria selig preisen – das dürfen wir also nicht nur, sondern das ist eine eigene Feststellung Mariens.
Ja, so ist es, selig preisen werden sie alle Geschlechter! - Und wir hier  und heute sind mittendrin dabei!

Ein nachdenklicher Scherz, den Pater Pio gerne erzählte: Eines Tages wollte Petrus dem Herrn den Schlüssel für das Himmelstor zurückgeben. Auf die Frage nach der Ursache dafür sagte dieser:
"Du hast mir doch die Himmelspforte anvertraut, und täglich muss ich viele abweisen. Doch kaum habe ich die Tür geschlossen, da lässt Deine Mutter sie zum Seitenfenster doch noch rein."

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Hinweis: Morgen gibt's übrigens hier in diesem Blog einige Linktipps zum Thema Maiandachten und Marienverehrung!