Samstag, 31. Mai 2014

Friedensgruß in der Messe: Darf ich eigentlich meine Banknachbarn küssen...?

Das ist schon fast wie bei den berühmt-berüchtigten Fragen an Radio Eriwan, beispielsweise: "Ist es wahr, dass auch Männer Kinder bekommen können?" - Antwort der Radiostation: "Im Prinzip nein, aber es wird immer wieder versucht."
Um Missverständnissen gleich vorzu-
beugen: Ja, ich finde es gut, sich in der Heiligen Messe gegenseitig ein „Zeichen des Friedens“ zu geben, wenn uns der Priester nach dem Vaterunser dazu ermuntert.
Anlass zu meinem Kommentar ist die konkrete Praxis des Friedensgrußes, wie man sie vielerorts erleben muss. Zwei Problembereiche will ich nennen, doch zuerst einmal:
In der Instruktion „Redemptionis sacramentum“ „über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind“ , ist die liturgische Rechtslage klar umrissen:
72. Es ist angebracht, «daß jeder in schlichter Weise nur seinen Nachbarn den Friedensgruß gibt». Und weiter: «Der Priester kann
den Friedensgruß den Dienern geben, bleibt aber immer innerhalb des Presbyteriums, um die Feier nicht zu stören. Dies soll er auch beachten, wenn er aus einem gerechten Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß entbieten will».

Und in den pastoralen Einführungen in die liturgischen Bücher heißt es: „112. Der Priester spricht vernehmlich: "Der Herr hat zu seinen Aposteln gesagt." Zum Friedensgruß: "Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch" breitet er die Hände aus und faltet sie wieder. Die Gemeinde antwortet: "Und mit deinem Geiste." Der Priester kann dann zum Friedensgruß auf-
fordern, worauf alle entsprechend den örtlichen Gewohnheiten in einem Zeichen einander Frieden und Bruderliebe bezeugen. Der Priester kann den Altardienern den Friedensgruß geben.“
Einen Interpretationsspielraum kann ich hier nicht erkennen. Klar ist:
Der Priester verlässt den Altarraum nicht beim Friedensgruß.
Da jeder Priester des Lesens mächtig ist, könnte mein Kommentar theo-
retisch überflüssig sein. Aber heutzutage wird ja gerne gestaltet. Man ändert und man lässt weg.
Zugegeben und klar gesagt: Die große Mehrheit der Priester verhält sich vorbildlich. Hier geht es um die zunehmende Gruppe derjenigen, die Papier Papier sein lassen und machen, was sie so gerade für richtig halten. Dass sie damit auch Ärgernis erregen, spielt offenbar keine Rolle. Dass sie damit ein schlechtes Vorbild für die Gläubigen sind, wohl auch nicht. Man zwingt den Gottesdienstbesuchern seinen persönlichen Geschmack auf, und fertig!
Was als liturgische Freiheit daher kommt, die man sich einfach nimmt, ist in Wirklichkeit die Unterdrückung der anderen und korrekten Form.
Freundlich lächelnd verlassen diese Priester den Altarraum zum Friedens-
gruß, nicken links und rechts und ziehen wenn möglich mindestens bis zur Mitte des Kirchenschiffes, wo sie ohne erkennbaren Grund plötzlich kehrt machen und die Hinterbänkler völlig ungegrüßt lassen.
Bei ihrer Friedensinitiative winken sie ab und zu jovial wie die Queen dem Kirchenvolk zu und nicken bisweilen wohlwollend. Dabei werden Einzelne herausgepickt und der besonderen Gunst des Zelebranten teilhaftig, denn ihnen wird die Hand geschüttelt, dem Nachbarn oder dem Mitchristen in der nächsten Reihe nicht. Was die davon halten und wie die sich dabei fühlen, spielt keine Rolle. Sie haben es hinzunehmen. Das ist eben so, es gibt immer einige, die gleicher sind als andere. Warum sollte das in der Kirche anders sein?
Das Ganze zieht sich mitunter beachtlich in die Länge, je nach Gruß-
bereitschaft des Priesters und der Gläubigenzahl. Auch ein nettes Wort zwischendrin muss ja mal sein. Und eine pädagogische Ermahnung zuweilen auch: So durfte ich erleben, wie ein Priester bei einem kleinen Kind eine Belehrungspause einlegte: „Nein, das schöne Händchen…!“
Und was ist jetzt mit dem Küssen der Banknachbarn?
Darf man oder darf man nicht?
...

Im Nachrichtendienst "ZENIT" wurde aktuell eine derartige Leseranfrage gestellt und von P. Edward McNamara beantwortet, der als Liturgiepro-
fessor in Rom tätig ist. Die Grundfrage heißt: Welche Gesten sind als Friedensgruß untereinander sinnvoll und welche eher nicht?
Der Professor verweist erst einmal darauf, dass die Form des Friedens-
grußes von den örtlichen Bischofskonferenzen zu regeln ist, unter Berück-
sichtigung der regionalen Bräuche.

Wichtig ist dabei aber zweierlei: Der Gruß soll ausdrücklich in jedem Falle eine schlichte Geste sein, und er soll aus gutem Grund nur mit den unmit-
telbaren Nachbarn ausgetauscht werden. Was man gelegentlich sieht, dass Leute aus den Bänken gehen, um anderen ein Zeichen des Friedens zu ge-
ben, das ist liturgisch natürlich völlig daneben!

Der Liturgie-Professor kann sich jedenfalls durchaus vorstellen, dass unter Eheleuten ein kurzer Kuss ein passendes Zeichen sein kann.
Man müsse schließlich nicht für alle Banknachbarn die gleiche Geste verwenden...

Artikel des Nachrichtendienstes "ZENIT" ---> KLICKEN !