Mittwoch, 7. Mai 2014

Schwätzen und Stören bei der Erstkommunion: Muss der Pfarrer alles schweigend ertragen?



Es ist Erstkommunion in einem deutschen Städtchen. Was da so schön und feierlich beginnt, endet mit dem wütenden Aus-
zug von etlichen Gottesdienst-
besuchern, mit Artikeln in der lokalen Presse und einer Leser-
briefschlacht im Blog der Zei-
tung. - Was war geschehen? Pfarrer Schiffers hielt in Königswinter den Gottesdienst zur Erstkommunion, und die Kirche war natürlich gerammelt voll. Der Geräuschpegel während der Heiligen Messe stieg derart, dass der Pfarrer sich schließlich genötigt sah, deutliche Worte an die Gäste zu richten.
Das jedoch kam bei einigen gar nicht gut an, denn der Pfarrer hatte u.a. gedroht, die Messe abzubrechen, wenn nicht Ruhe einkehre. Als einige Eltern daraufhin die Kirche aus Protest verließen, schlossen sich weitere Besucher an und sorgten wohl auch dafür, dass die Zeitung eingeschaltet wurde.
Neben einem Bericht gab es in deren Blog einen erstaunlich kirchen-
freundlichen, wohlwollenden Kommentar einer Redakteurin, in dem diese erklärte:
"Pfarrer Udo Maria Schiffers hat die Unruhe gestört. Und er hat sich darüber beschwert. Mit Recht... Niemand wäre irritiert, wenn jemand in einem Klassikkonzert sich am lärmenden Nachwuchs stören würde. Warum regt man sich dann auf, wenn ein Pfarrer in seiner Kirche auf Ruhe besteht...?"
Mehr als 150 Leserkommentare nahmen im Blogbereich jener Zeitung zu den Vorkommnissen Stellung, und diese große Zahl ist allein schon sehr beachtlich und zeigt, dass hier ein Nerv getroffen wurde, so oder so. -
Da schreiben viele sinngemäß, dass sie sich mehr solcher Pfarrer wün-
schen, die Rückgrat zeigen. "Ich bin für klare Ansagen", meint einer und empfiehlt, vor Beginn der Messfeier klare Richtlinien "gut hörbar" zu verlesen.
Ein anderer mokiert sich über die Fraktion der Kaugummikauer und SMS-Schreiber und findet: "Auf solche Besucher kann der Gottesdienst verzichten". Dass es immer mehr Menschen gibt, die gar nicht mehr wissen, "wie Kirche geht", bestätigt ein anderer Leser.
Deutlicher wird jemand, der zugibt, sich "durch Kleinkinder und ihr lautes Schreien gestört" zu fühlen und erkennt die Ursache in den Eltern, die ihre Kinder einfach gewähren lassen. Viele Pfarrer sind bei solchen Gescheh-
nissen auch einfach hilflos, findet ein Gottesdienstbesucher, und es sei schon geradezu "ein Reflex, immer sofort Kinderfeindlichkeit zu unter-
stellen"
, wenn der Priester während der Messe zur Ruhe mahnt.
Derselbe Leser bringt es auf den Punkt, wenn er feststellt, eigentlich ver-
hielten sich diejenigen Eltern kinderfeindlich, die ihre Kleinkinder in
eine solche Veranstaltung mitschleppen. Und ergänzend fügt ein weiterer Kommentator hinzu, dass Eltern offenbar z.T. so wenig Einsicht haben, dass sie noch nicht einmal ein Fläschchen oder leises Spielzeug einpacken.
Mir selbst nicht ganz unbekannt ist auch der Erlebnisbericht eines Katho-
liken, der schon miterleben musste, wie "in den hinteren Bänken gegessen wurde" und versucht wurde, eine Zigarette anzuzünden. Man könne das Problem mildern, indem man auch zu solchen Feierlichkeiten ausdrücklich einen Kindergottesdienst anbiete, rät ein Profi, wobei ein anderer ergänzt, dass dieses Angebot gerade an solchen Tagen leider besonders von den Kirchenfernen nicht angenommen werde.

Eine "Großmutter von 15 Enkelkindern" ärgert sich über die Rücksichts-
losigkeit mancher Eltern, die den Kommunionkindern durch ihr unein-
sichtiges Verhalten diesen schönen Tag verderben.
Besonders krass empfand wohl ein Sportsfreund, der bei jener Erstkom-
munionfeier dabei war, den Lärmpegel, denn er formulierte, er habe sich "am Ende gefragt, ob ich in der Südkurve meines geliebten FC (Köln) war oder in einer Kirche". Ein Zeuge, der die Protestierer beim Verlassen der Kirche erlebte, schnappte auf, wie drei Männer "mit breitem Grinsen" erklärten, wie schön es doch sei, "schon früher mit dem Biertrinken zu beginnen".

Klar gab es in den Kommentaren auch die Gegenseite, wenn auch erfreu-
licherweise ca. zwei Drittel jenem Pfarrer Zustimmung signalisierten. Einer der Kritiker holte direkt die ganz große Keule hervor: "Dieser ka-
tholische Pfarrer ist untragbar"
, man solle ihm ein Disziplinarverfahren anhängen wegen seines kundenunfreundlichen Verhaltens.
Erfreulich ist, dass der Pressesprecher des Erzbistums Köln sich sofort hinter diesen Pfarrer stellte, indem er erklärte, bei einem Gottesdienst müsse eine würdige Atmosphäre herrschen, und jener Pfarrer sei ein sehr erfahrener Geistlicher.

So oder so ähnlich spielt sich die Erstkommunion sicher vielerorts ab. Offene Kirchentüren, Erwachsene, die rein und raus gehen, halblaute Gespräche im Kirchenvorraum, Rauchen statt draußen bereits im Kirchenvorraum und ähnliche Hässlichkeiten.
Die Frage ist: Was kann man dagegen tun? Oder soll man alles so laufen lassen, weil es eben nicht zu ändern ist...?

Das hier zitierte Beispiel zeigt aber vielleicht auch, wie wichtig es ist, dass Katholiken vor Ort ihrem Pfarrer beistehen, z.B. durch entsprechende Meinungsäußerungen.
Pressebericht "Eklat bei der Erstkommunion" ---> KLICKEN !

Kommentare:

  1. Möglicherweise ist da im Vorfeld schon etwas
    nicht sehr gut gelaufen. Bei uns gibt es jedenfalls bei
    den Elternabenden und vor Beginn des Gottesdienstes
    ganz klare Ansagen, und das klappt auch gut.
    Außerdem hat unser Küster zwei Leute zur Verstärkung,
    die im hinteren Kirchenbereich für Ruhe sorgen und
    nötigenfalls auch schon mal eine freundliche Geste
    Richtung Ausgang machen.

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  2. Oft ist es in solchen Fällen so, dass es eine Vorgeschichte
    dazu gibt. Bestimmte tonangebende und sehr wichtige Leute
    in der Ortschaft mögen den Pfarrer vielleicht nicht besonders,
    und da ergibt eins das andere.
    Es gibt aber auch sehr positiv verlaufende Messfeiern zur
    Erstkommunion, und das ist wahrscheinlich sogar die Mehrzahl.
    Also nicht nur auf Misslungenes schielen!

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  3. Also ehrlich gesagt höre ich solche Situationen aus unzähligen Pfarreien. Die meisten ernsthaft denkenden Katholiken verlassen mitlerweile die Pfarreien, weil die Situationen untragbar geworden sind und suchen ihre Zuflucht bei der FSSPX oder Ecclesia Dei Gemeinschaften. Laiengremien und Drachen regieren den "Volkstisch" an dem sich die Menschen selbst beweihräuchern. Der gültig geweihte Priester hat da zu kuschen und manchmal ist es sogar so, dass nur ungeweihte Laien die Kommunion austeilen. Ja richtig gehört UNGEWEIHT. An solch einer Veranstaltung (mehr ist der NOM mittlerweile nicht) sollte man als Katholik nicht mehr teilnehmen. Ob nun Geräuschkulisse oder nicht. Der Fisch stinkt schon am Kopf und dieser große Fisch nennt sich Zweitvatikanisches Konzil. Man wollte es so haben und so ist es nun. Ich frage mich ernsthaft, warum sich die Gläubigen überhaupt beschweren, wenn durch dieses Konzil das heilige Meßopfer bis zu einer Banalität heruntergewürdigt ist. Wenn Christus schon flächendeckend geleugnet wird, so braucht man sich über solch ein Verhalten gar nicht zu wundern. Denn wo Christus nicht ist, braucht man auch kein angemessenes Verhalten an den Tag legen.
    Dennoch: Hut ab vor dem Priester. Ich denke er wird bald von einigen Gemeindeschäfchen gemobbt werden.

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  4. Auch ich habe volles Verständnis für den Priester. Aus meiner Sicht gibt es in einer solchen Situation noch eine ebenfalls gute Lösung: Wird die Feier unerträglich gestört, den Küster das lateinische Altarmessbuch holen lassen, kommentarlos zum Hochaltar "umziehen" und dort das Hochamt ohne Rücksicht auf die Anwesenden zu ende zelebrieren.

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  5. Maximus Confessor8. Mai 2014 um 00:11

    So ist es! Einfach den unsäglichen "NOM" ersatzlos streichen und allsonntäglich die Messe aller Zeiten feiern. Dann blieben die Zigarettenraucher und Smartphonesoieler von vornherein weg und wir können mit wirklichen Katholiken wieder würdige Messen feiern.

    "Sprengt die Opernhäuser in die Luft", forderte Pierre Boulez in den 70er Jahren. Sprengt die NOM-Betonkirchen in die Luft! - fordern wir.

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  6. Ich würde vom Sprengen der Betonkirchen abraten. Es ist ja immerhin Beton. Ich habe meine Erstkommunion im neuen Ritus empfangen. Es war für mich schnurzpiepegal, welcher Ritus gerade gefeiert wurde. Entscheidend war: Meine Eltern gingen jeden Sonntag in die Kirche, es musste ihnen also ernst sein mit dem Glauben. Der Glaube war in unserem Alltag immer präsent. Keine Mahlzeit ohne Gebet, kein zu Bett gehen, ohne Gewissenserforschung. Im Jahr meiner Erstkommunion lernte ich die Maiandachten kennen und den Rosenkranzmonat. Volksfrömmigkeit wurde GROSS geschrieben bei Mutter und Vater. Was wir heute tun können? Abschaffung aller Kommunionfeiern, in denen die Eltern und Kinder längst nicht mehr wissen, was da eigentlich abläuft. Es ist ja eigentlich wie beim Fußball. Das Spiel ist nur deswegen interessant, weil dort Regeln herrschen. Es gibt einen Schiedsrichter, der genau über diese Regeln wacht und streng pfeift wenn diese übertreten werden. Nehmen wir nur mal kurz an, dort würde es keine Regeln geben und kein Schiedsrichter mehr ein Spiel leiten. Entweder würde dort der reine Terror herrschen oder die totale Langeweile. Das will ja keiner.

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