Dienstag, 20. Mai 2014

Wer bietet mehr? - Kardinal Bertone hat 15 Millionen Euro Vatikangeld veruntreut, oder ?!

"BILD" sprach mal wieder als
erster mit der Leiche, wie man im Volksmund schon mal sagt. Die Zei-
tung will gestern aus internen Quellen des Vatikans erfahren haben, dass der ehemalige Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone "15 Millionen Euro von Konten des Vatikans veruntreut" haben soll. Das Geld soll ein mit ihm befreundeter Medienunternehmer erhalten haben. Das sei "gegen Wider-
stand aus der Vatikanbank"
gesche-
hen, vermeldet das Blatt.
Otto Normalleser kann oder soll jetzt also den Eindruck haben, dass Bertone da einfach zur Vatikanbank spazieren  und die Herausgabe von 15 Millionen Euro für einen lieben Freund verlan-
gen konnte. Über Details und Zweck der angeblichen Transaktion lässt man die Leser völlig im unklaren. Ist ja auch nicht nötig, Hauptsache, Bertone kriegt mal wieder eins übergebraten. Schon vor Wochen war das mit der angeblichen Luxuswohnung von 600 Quadratmetern hervorragend gelungen. Weltweit geisterte die überhaupt nicht belegte Meldung durch die Medien, und alle waren empört über diesen Protz-Kardinal. Die Klar-
stellung durch Bertone, dass so gut wie nichts an der Meldung stimmt, verschwieg der größte Teil der Presse. Siehe ---> HIER !
Ich behaupte nicht, dass sowas nicht passieren kann mit der Verschiebung von Millionenbeträgen, wenn nur genug kriminelle Energie vorhanden ist. Das erleben wir in Deutschland ja auch immer wieder. Die Vorstellung, dass sich die Manager der Vatikanbank einfach so 15 Millionen zum Scha-
den des Vatikans abnehmen ließen, bloß weil der Herr Bertone das so wollte, grenzt allerdings ans Absurde.
Wer bei besagtem BILD-Artikel auch zwischen den Zeilen liest, merkt schnell, dass die Brötchen doch kleiner gebacken werden, als die Schlag-
zeile uns verspricht. Da ist die Rede von einer "wertlosen 16 %-Anleihe", also mit anderen Worten von einer Art indirekter Beteiligung an jener Firma. Auch da druckst "BILD" herum: Die angeblich wertlose Anleihe sei dann vom Vatikan einer Stiftung übertragen worden. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich: Wie soll das denn bitte funktionieren, etwas Wertloses einer Stiftung zu übertragen?
Mit anderen Worten: Viel heiße Luft, viel Spekulation und vor allem der böse und bislang überhaupt nicht bestätigte schlimme Vorwurf der Ver-
untreuung. Und viele andere Medien haben nichts Besseres zu tun als dies ebenso ungeprüft von der "BILD" abzuschreiben.
Mag sein, dass Bertone entgegen dem Rat von Bankfachleuten eine In-
vestition in eine Medienfirma als gewinnbringend für den Vatikan ange-
sehen hat und dabei auch noch nebenbei einem Freund mit der Beteiligung finanziell unter die Arme greifen wollte. Falls das so gewesen sein sollte, darf man vielleicht auch mal daran erinnern, dass die deutschen Bischöfe z.B. auch in eine Fernsehproduktionsfirma investiert haben, ja sogar bis voriges Jahr indirekt ins Deutsche Fernsehballett...!
Dass mehrere hundert Millionen Euro letztlich vergeblich in "WELTBILD" investiert wurden, will ich lieber erst gar nicht vertiefen.
Die inzwischen sehr erfolgreiche Finanzkontrolle des Vatikans wird der Sache nachgehen. Das braucht Zeit und genaues Hinschauen. In so etwas will man bei "BILD" & Co. lieber nicht investieren. Hauptsache, man hat mal wieder eine verkaufsträchtige Schlagzeile rausgehauen. Ob man da einen Menschen vielleicht zu Unrecht verdächtigt - wen kümmert das? Qualitätsjournalismus eben...

Wer mag, kann die Story z.B. bei "BILD" und "FOCUS" nachlesen, HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Wieder ein trauriges Beispiel, wie Journalismus heute praktiziert wird:
    Wer erhascht als erster eine Sensation? Dann nichts wie an die Öffent-
    lichkeit damit und keine Zeit verlieren für Überprüfung des Sachverhaltes
    oder gar Stellungnahme des Betroffenen, wie es die Ethik-Vereinbarung
    der Journalisten ausdrücklich verlangt...

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    1. Ethik-Vereinbarung? Von der hat man in den betreffenden Redaktionen augenscheinlich noch nie gehört. Außerdem Ethik? Immer diese Fremdworte....

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  2. Bravo für diesen einfach wahren Blog!! Ein Aspekt, der hier nicht zur Srache kommt, der aber sicherlich ein wesentlicher ist, sollte noch genannt werden: es ist eine erneute perfide Attacke gegen unseren geliebten Papa Benedetto! Man schlägt Bertone und will in Wahrheit Benedikt zur Strecke bringen. War Seine Eminenz doch der engste Freund und Vertraute Benedikts, sein Alter Ego, den Benedikt liebte wie seinen Augapfel und sich immer schützend vor ihn stellte.
    Widerlich, was die Mainstreammedien da veranstalten.

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  3. In Umfragen bestätigt sich das schlechte Image.
    Journalisten findet man dort immer bei den Berufen, die am wenigsten
    angesehen sind.
    Die tun ja auch alles dafür, dass dies so bleibt...

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  4. Abgesehen davon, daß solche Meldungen belegen, wie verkommen Teile der Presse inzwischen sind- fragt man sich : cui bono?
    Wer ist Bertone der Bild-Zeitung, wer ist Bertone dem durchschnittlichen IQ-deprivierten Bild-Leser, daß sich so eine üble Nachrede, so eine Desinformation lohnt? Soll das ein "Liebesbeweis" à la Bild für den amtierenden Pontifex sein? Der verantwortliche Schreiberling wird ja wohl kaum Geld durch den Erwerb der "wertlosen Anleihe" verloren haben noch zu den Armen gehören, die vom Vatican alimentiert werden, denen die angeblichen 15 Mio jetzt fehlen.

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  5. Der Thuriferar20. Mai 2014 um 12:52

    Ach, die BILD weint Krokodilstränen!
    Nicht nur Kardinal Bertone ist also angeblich ein ganz Böser,
    Weiter unten im Text der Zeitung beklagt man noch ganz dramatisch,
    dass der Vatikan Immobilien verkauft hat, und das weit unter dem
    Marktpreis. Also mit anderen Worten: Man hat nicht das kapitalistisch
    gesehen letzte herausgepresst, was der Markt hergibt.
    Und das bedauert die BILD-Zeitung doch sehr.
    Und weil man dort auf das eigene Geschwätz von gestern nichts gibt,
    beklagt man ein andermal dann die Geldgier des Vatikans und der Kirche.
    Was für ein billiges Theater!

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  6. Regen wir uns nicht weiter auf. In der Tat: Wer ist Bertone der Bild-Zeitung? Morgen schon treiben die die nächste Sau durchs Dorf.
    Solang Bertone, wie @Borromäus richtigerweise schreibt, der Alter Ego unseres verehrten Papa emeritus bleibt, kann ihm gar nichts geschehen! Und Benedikt läßt, wen er einmal erwählt hat, niemals fallen, komme was da will!!

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