Samstag, 17. Mai 2014

Wie peinlich ist das denn!? - Ein Pfarrer will die Glocken abstellen, weil sie ihn nachts stören...

Das Thema Glockenläuten steht auf der Hitliste der z.T. auch vor Gericht ausge-
tragenen Streitigkeiten be-
züglich der Kirche ziemlich weit oben.
Immer mal wieder gibt es Leute, die in der Nachbar-
schaft einer Kirche wohnen, die sich insbesondere vom nächtlichen Läuten einfach nur genervt fühlen. Zuweilen sind die Begrün-
dungen, die vor Gericht vorgetragen werden, schon etwas kurios: So klagte ein Anwohner vor dem Verwal-
tungsgericht in Mannheim, weil er sich durch den Läutebeginn morgens um 6 Uhr als Christ beim Bibelstudium gestört fühle. Das Gericht konnte er jedenfalls nicht über-
zeugen. Wie meistens in solchen Fällen, schauen die Gerichte auch darauf, ob das Läuten eine lange Tradition hat. In Mannheim befand das Gericht, das Läuten sei "angemessen und allgemein akzeptiert". Beachtlich, finde ich. ---> KLICKEN !
Je nach Gericht kann das auch ganz anders ausgehen: Ein Ehepaar in Lothringen bekam wegen Lärmbelästigung durch Glockenläuten ein Schmerzensgeld von 1.500 Euro zugesprochen, und die Kirchengemeinde bekam zudem die Auflage, nachts nicht mehr zu läuten. Und das, obwohl 250 der 270 Einwohner des kleinen Dorfes sich für die Beibehaltung des nächtlichen Läutens ausgesprochen hatten. Der Treppenwitz bei dieser Geschichte: Das besagte Ehepaar hatte das Haus vor 30 Jahren günstig erworben; damals läutete es natürlich bereits nachts. Bei dem Haus handelt es sich übrigens... um das Pfarrhaus! ---> KLICKEN !
Um das Pfarrhaus geht es auch im aktuellen Fall: Seit einem halben Jahr ist ein neuer Pfarrer im Dorf, ein Pater mit offenbar leichtem Schlaf. Als er beschloss, die Glocken von 22 bis 6 Uhr abstellen zu lassen, weil das Läuten ihm frühmorgens den Schlaf raubte, brach im Dorf eine Revolution aus: Zur Abwechslung sind jetzt mal die Bürger stinksauer auf den Pfarrer;
alle Befragten waren klar für die Beibehaltung des nächtlichen Läutens.
Die Kirchengemeinde weigert sich nun, auch aus Kostengründen (Um-
rüstung der Glockenanlage), dem Wunsch des Pfarrers nachzukommen. Das Verhältnis zum neuen Pfarrer sei jetzt "etwas abgekühlt", formuliert man diplomatisch. Der Glockengegner-Pfarrer überlegt nun, ob er dann erneut umziehen will...

Artikel im Schweizer "Blick" ---> KLICKEN !