Mittwoch, 16. Juli 2014

Die alte Leier: Atheisten beschweren sich über Stadt-Zuschuss zum Leipziger Kirchentag 2016

Heute entscheidet der Rat der Stadt Leipzig über einen Zuschuss-Antrag für den Katholikentag, der 2016 in dieser Stadt geplant ist. Man erregt sich seitens diverser Protestierer darüber, dass in Zeiten extrem knapper öffentlicher Kassen dem Veranstalter ZdK (Zentral-
komitee der deutschen Katholiken) eine städtische Zuwendung in Höhe von einer Million Euro bewilligt werden soll.
In den Medien und durch Aktionen in der Leipziger Innenstadt machen Atheisten und Humanisten seit Wochen Stimmung, in der vagen Hoffnung, den anstehenden Beschluss noch verhindern zu können. Seit Jahren protestiert man so ge-
gen Zuwendungen zu Kirchentagen, wobei man sich ebenso beharrlich davor drückt, sich mit Kosten-Nutzen-Rechnungen und Millionen-Einnah-
men der Veranstaltungsstädte aus dem riesigen Besucherstrom im Detail auseinanderzusetzen.
Stattdessen versucht man Stadtrat und Bürger mit Milchmädchenrech-
nungen zu beeindrucken, in denen man vorrechnet, was die Stadt alternativ mit einer Million Euro alles an sozialen Projekten finanzieren könnte.
Die tatsächlich aus langer Erfahrung nachweisbaren finanziellen Vorteile und den Image-Vorteil für die Stadt will man nicht gelten lassen. Das ZdK habe sich ja längst für Leipzig entschieden, also könne man die Million auch einsparen; die Organisatoren können jetzt wohl kaum noch absprin-
gen und eine andere Stadt auswählen.
Eine alte Leier ist inzwischen auch die Aktion "Das 11. Gebot" - fällt euch sonst nichts mehr ein?

Jetzt mal zum Vergleich: Die Stadt Hamburg hat 2012 den Evangelischen Kirchentag sogar mit 7,5 Millionen aus Steuergeldern mitfinanziert. Bevor jetzt irgendwelche Leute wegen dieser Ausgaben einen Herzinfarkt bekom-
men, sollte man doch erst mal einige Realitäten zur Kenntnis nehmen: Keine Stadt hat so überquellende Stadtkassen, dass man einfach so die ganz großen Spendierhosen angezogen hat. Wenn man also solch eine Veranstaltung unterstützt, dann geschieht das auch aus stadtväterlichem und stadtmütterlichem Eigeninteresse.
Die Städte reißen sich ja fast um die Austragung solcher Veranstaltungen, weil sie wie ein kluger Kaufmann handeln und sehr genau durch detaillierte Untersuchungen früherer Veranstaltungs-Städte belegen können, dass da nicht nur Geld ausgegeben wird, sondern auch sehr viel Geld wieder rein-
kommt. Die Kasse bei Gastronomie, Hotels und Einzelhandel klingelt tüchtig. Die Stadt Bremen erzielte 2009 nach dem Evangelischen Kirchen-
tag nachweisliche Mehreinnahmen von 21 Millionen Euro!
Aber nicht nur das: Die zahlreichen Medienberichte über solche Großver-
anstaltungen (beim Katholikentag sind erfahrungsgemäß ca. 1.000 Jour-
nalisten angemeldet!) haben einen auch finanziell tollen Image-Effekt: Viele Menschen finden die gezeigte Stadt daraufhin so schön, dass sie ihr später z.B. einen Wochenendbesuch abstatten.
Es sollte auch zu denken geben, dass weder Landesrechnungshöfe noch der Bund der Steuerzahler jemals die Zuschüsse für Kirchentage beanstandet haben. -
Also, liebe Humanisten, immer schön fair bleiben und nicht nur die halbe Wahrheit verkünden!

Von evangelischer Seite gibt es da einen sehr informativen Artikel "Lohnt sich Kirchentag?", in dem man sich mit den Argumenten der ewigen Zu-
wendungsgegner auseinandersetzt.  "
Nicht alle Deutschen sind Fußball-
fans, nur ein Bruchteil der Fans geht regelmäßig in die Stadien der Bundes-
ligavereine. Aber über die Steuern müssen wir alle für den Bau und den Unterhalt von Stadien und den Einsatz der Polizei unseren Beitrag leisten. Über die Fernsehgebühr zahlen wir dann noch einmal, damit samstags der Ball wieder rollt. Es gibt viele Beispiele, bei denen der Staat aus dem Steu-
eraufkommen Dinge fördert, von denen zunächst nur eine Minderheit einen Nutzen hat", wird da anschaulich argumentiert. 

Und noch ein ganz besonderes Eigentor der Humanisten: Während man sich in Hamburg über Zuwendungen der Stadt für den Kirchentag be-
schwerte, stellte man selbst ebenfalls einen Antrag auf städtische Zuschüs-
se für ein eigenes Event...
Finanz-Analyse zum Kirchentag Bremen (pdf) ---> KLICKEN !

Artikel "Lohnt sich Kirchentag?" ---> KLICKEN !
Humanisten-Protest gegen Kirchentags-Zuwendung ---> KLICKEN !
Wiederholungstäter: In Regensburger protestiert man auch genau so
---> KLICKEN

(Auf den Folgeseiten dieses verlinkten Humanisten-Dokumentes sieht man ganz nebenbei, wie gering das Interesse der Passanten an der Aktion war...)
.
Nachtrag am 17.Juli: Im Leipziger Stadtrat gab's überhaupt keine Entscheidung dazu. Wie in kniffligen Fällen fast üblich, wurde die Abstimmung vertagt... 

Kommentare:

  1. Ordinariatsgeschädigter16. Juli 2014 um 07:24

    Um mal ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern, weil ich auch schon darin eingebunden war:
    Es ist albern, zum jetzigen Zeitpunkt die große Protestshow abzuziehen.
    Termin und Ort von solchen Veranstaltungen stehen mindestens 3-4 Jahre vorher fest, und es hat natürlich seitens der Organisatoren für Leipzig auch schon einige Gespräche mit den Stadtchefs gegeben. Jede Stadt muss schließlich erst mal zustimmen, dass der Katholikentag dort stattfindet. Und nun behaupte also bitte keiner, dabei sei nie das Thema Geld erwähnt worden. Es gab schon Dutzende von Katholikentagen, und in den letzten Jahrzehnten ist i m m e r Geld aus dem Stadtsäckel geflossen!

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  2. ohneGottgehtsprima16. Juli 2014 um 07:44

    Die reiche Kirche Deutschlands hätte genug Geld, um das Projekt in Leipzig selbst zu bezahlen. Außerdem gibt's bereits Zuschüsse von Bund und Land in beachtlicher Höhe.
    Wenn die Katholiken dort ihr Spektakel haben wollen, dann sollen sie es gefälligst auch selber bezahlen!

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    1. Wer ist mir "reiche Kirche Deutschlands" gemeint?
      Der sog. Katholikentag ist eine Veranstaltung der Vereinigung, die sich ZdK nennt und das ZdK ist nicht die "Kirche Deutschlands".

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  3. Ich verstehe Sie nicht, werter Kreuzknappe,
    vor wenigen Monaten haben Sie noch ordentlich - und zu Recht! - über den Regensburger Katholikentag und seine Auswüchse gewettert, und nun unterstützen Sie die horrende Geldforderung des ZdK!

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    1. Mir ging es hier weniger um den Sinn solcher Katholikentage, sondern darum, wie seltsam in der öffentlichen Diskussion zuweilen verfahren wird. Ich selbst habe noch keinen dieser Katholikentage besucht und werde auch in Zukunft gerne darauf verzichten.

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    2. Mal wieder eine dieser nur auf den ersten Blick ironischen Koalitionen zwischen linken Atheisten und unltramontanem Rechtskatholizimus. Wenn's gegen die kirchensteuersatte deutsche Kirche und die bösen Katholikentage geht, sind sie sich, wenn auch aus unterschiedlicher Motivation, plötzlich ganz einig.
      So wie ja auch beide Flügel sich einig in der Begeisterung über Benedikts "Entweltlichungs"-Programm waren...

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  4. Ich finde eigentlich nur, dass der Katholikentag gar keiner ist. Ansonsten ist es mir ziemlich egal wohin mein Geld fließt, da ich es ohnehin nicht beeinflussen kann.

    Zu dem "ohneGottgehtsprima" (bezweifle ich): Armes reiches Deutschland hat meine spanische Verwandtschaft immer gesagt. Und sie haben recht. Trübes Wetter, Gesichter wie sieben Tage Regenwetter rund um die Uhr und jammern auf höchstem Niveau. Das assoziiert man in der Regel mit Deutschland. Und das trotz Geld. Und mal ganz ehrlich auch "ohneGottgehtsprima" landet mal im Fegefeuer. Ob er nun will oder nicht. Also lieber mal an Gott glauben. Da fährt man etwas sicherer im Leben und in die Ewigkeit, denn lieber mal an die jenseitige Läuterung glauben als nicht, denn die Strafe währt ja ewig. Und wenn die Atheisten recht haben, dann ist es ja prima für uns Christen, weil wir ja dann einfach nur "einschlafen". Umgekehrt gestaltet sich das Panorama nicht sehr schön.

    Gott zum Grüße
    Kurmainzer

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  5. Die "Piraten" sind auch in vorderster Linie beim Protest dabei. Ihr Motto lautet
    "Wir zahlen nicht für eure Party".
    Interessant wäre die Frage, für welche andere "Party" die Piraten denn Geld locker machen würden…

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  6. Soeben gelesen: Die GRÜNEN in Leipzig packen es schlauer an:
    Sie vermeiden die üblichen Pro und Contra-Debatten und schlagen heute stattdessen vor, statt der Million einfach nur ein Drittel locker zu machen. Nicht schlecht...!

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