Donnerstag, 4. September 2014

"Mit Arbeitsplätzen spielt man nicht!" -- Kritik des Papstes an Thyssen-Krupp greift zu kurz!

Das war ja mal wieder ein medialer Leckerbissen, gestern überall mit großen Schlagzeilen zitiert, in etwa so:
"Papst Franziskus atta-
ckiert Konzern Thyssen-Krupp"
. - Um was geht es da?
In der hier gebotenen Kürze: Bei der gestrigen General-
audienz kritisierte Papst Franziskus den Stahlkonzern scharf, weil durch die gerade angekündigte Streichung von 550 der 2600 Arbeitsplätze im Werk in Terni (Umbrien)
so viele Familien "in eine schlimme Lage" gerieten.---> KLICKEN !
Bei allem Respekt: Das kommt zwar beim Publikum sehr gut an; es scheint mir allerdings ein wenig populistisch und zu kurz gedacht zu sein.
Bevor ich konkret dazu komme: Die Kirche als Arbeitgeber hat sich auch nicht immer mit Ruhm bekleckert; man denke nur an den "WELTBILD"-Verlag im Besitz deutscher Bischöfe - über 650 Angestellte hat man nach monatelangem Hickhack entlassen, um den vor der Pleite stehenden Verlag doch noch mit Hilfe eines neuen Investors retten zu können. Zur Erinne-
rung ---> KLICKEN !
Auch mit der Bezahlung in den unteren Lohngruppen ist es bei "Mutter Kirche" nicht immer nur menschenfreundlich ---> KLICKEN !
Doch nun zum konkreten Fall in Italien: Die päpstliche Kapitalistenschelte trifft nur einen Teil des Problems und ist daher zu oberflächlich!
Es ist seit Jahren bekannt, dass sich gerade die Stahlbranche durch Billig-Konkurrenz aus Fernost in einer anhaltenden Absatzkrise befindet. Bereits im Februar 2004, also vor immerhin mehr als 10 Jahren (!) gab es wegen der miesen Ertragslage bei ThyssenKruppe konkrete Pläne, das Werk in Terni ganz zu schließen. Es war Papst Johannes Paul II., der sich persön-
lich einschaltete. Auch der damalige italienische Ministerpräsident Berlus-
coni wurde aktiv und intervenierte bei Bundeskanzler Gerhard Schröder. ---> KLICKEN !
Mit anderen Worten: Das Problem ist seit vielen Jahren bekannt, ohne dass die italienische Politik diesbezüglich nachhaltig tätig wurde. Es wäre Auf-
gabe der Politiker gewesen, in der krisenverdächtigen Region Bedingungen zu schaffen, die die Ansiedlung weiterer Unternehmen und damit zusätz-
licher Arbeitsplätze begünstigen. Das aber hat man gründlich verschlafen! Da ist es zu simpel, jetzt verbal auf die Stahlbosse einzudreschen. Die Poli-
tik hat ihre Hausaufgaben zu machen, und das hätte der Papst ruhig auch erwähnen dürfen...