Dienstag, 10. März 2015

Einseitig und verletzend: Wenn auf "kath.net" über eine "Fastnachtsmesse" hergezogen wird...

Als Rheinländer bin ich dem Karneval gegenüber sehr auf-
geschlossen. Bei Karnevals-
gottesdiensten jedoch, so mei-
ne ich, muss man genauer hin-
schauen, was verantwortbar ist und was nicht.
Heute las ich beim Portal "kath.net" einen Gastbeitrag des erst 19-jährigen Stefan Fixemer über eine "Fastnachtsmesse in der Pfarrkiche von Rappweiler/
Bistum Trier"
---> KLICKEN !
Er lässt da seiner Empörung ausführlich freien Lauf und beklagt sich bitter über die heilige Messe am 15. Februar im Rahmen der "Jugendkirche MIA". Wenn ich mir das Foto des beanstandeten Gottesdienstes im Face-
book-Auftritt der Jugendkirche MIA betrachte, wundere ich mich doch einigermaßen, warum im Artikel von Stefan Fixemer von "einer herunter-
gekommenen Spelunke"
die Rede ist, der manche Pfarrkirche gleiche. Sorry, aber das kann ich da wirklich nicht erkennen!
Dass Kirchgänger verkleidet erschienen sind, soll bei solchen Anlässen auch andernorts vorkommen. Jedenfalls räumt der Autor ein, dass Pfarrer und Ministranten "als solche erkennbar" waren. Warum er das so betont formuliert, weiß ich nicht, das Foto zeigt sie jedenfalls in eindeutig korrek-
ter liturgischer Kleidung. ---> KLICKEN !
Der Autor kritisiert auch, dass "Speisen und Getränke" in der Kirche an einem Stand parat standen und findet, das habe "in einer Eucharistiefeier nichts verloren". Auch da ist das Foto erhellend: keinerlei Speisen werden da während der Heiligen Messe angeboten, insofern ist sein diesbezüg-
licher Hinweis fast schon eine Unterstellung.
Sogar das Aufstellen der drei Buchstaben M, I, A  "in der Mitte der Kirche" stößt dem Kritiker böse auf und er sieht darin eine Verletzung religiöser Gefühle, das werde "hoffentlich jedem klar sein".
Dem Autor geht es um die würdige Feier der Heiligen Messe. Er besuchte aber ausgerechnet diesen Karnevalsgottesdienst, und da sei mal die Frage erlaubt, warum eigentlich. Wenn ich eine Ankündigung für so etwas lese, dann gehe ich nicht dorthin, weil ich befürchte, mich ärgern zu müssen. Das ist aber eine persönliche Entscheidung.
Mit seiner Entscheidung, den ihm widerstrebenden Gottesdienst zu be-
suchen und anschließend kräftig zu kritisieren, macht es der Autor sich selbst nicht leicht, den Veranstaltern aber auch nicht. Er ist vermutlich
ein engagierter junger Katholik aus Beckingen, der sehr unter der zwangsweisen Versetzung von Pfarrer Eckert leidet. Ich habe mich
in mehreren Artikeln dazu geäußert und bin vom Verhalten des Trierer Bischofs enttäuscht, siehe z.B. ---> HIER !
Zorn ist jedoch ein schlechter Ratgeber, wie ich selbst auch schon erfahren musste. Zu groß ist die Gefahr, dass man als "Verletzter" nun auch andere durch seine Worte verletzt. Ich habe mich bei den Veranstaltern heute tele-
fonisch erkundigt, und in der Tat empfindet man dort den besagten Artikel auf kath.net als verletzend und nicht fair.
Bei der Vorbereitung hat es viele Gespräche und Überlegungen gegeben, und das Echo danach ist durchaus positiv. Es ist für eine Pfarrgemeinde wie Rappweiler und für die dort Verantwortlichen ja auch immer ein Wag-
nis, wenn Jugendliche voller Begeisterung ihre Ideen entwickeln.
Die Vorgaben für Kinder- und Jugendgottesdienste wurden eingehalten, betont man dort. Man habe sich auch durchaus die Frage gestellt, ob man angesichts des vielen Leids in der Welt das Thema Fastnacht überhaupt
in der Kirche aufgreifen sollte. Man sieht bei der Feier der Hl. Messe aber eben nicht nur Golgotha und das Leiden Jesu, sondern erinnert sich, dass wir Tod und Auferstehung unseres Herrn feiern.
Beim einen oder anderen Punkt könnte man sicher auch Kritisches an-
merken; ich möchte das aber nicht in Bausch und Bogen verdammen, sondern sehe auch, wie intensiv das Bemühen der Jugendlichen ist, sich
in der Kirche einzubringen, siehe z.B. auch ---> HIER !
Es war ein einmaliger Fastnachtsgottesdienst, den man auch neben den vielen anderen Heiligen Messen sehen kann. Und als Rheinländer weiß ich nur zu gut, was sich z.B. im Kölner Dom abspielt, wenn das "Dreigestirn" zum Karnevalistengottesdienst einzieht (Video)... ---> HIER !
         

Kommentare:

  1. Aber, aber,
    das ist doch gerade die Stärke der Tradi-Blogger: Andere an den
    Pranger zu stellen und sich zum Richter über andere Katholiken
    aufzuschwingen.
    Gibt's jetzt Konkurrenzängste, weil da einer noch mehr draufhaut
    als Sie?

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    1. Sehr guter Blog!. Ich bin auch kein Freund von solchen Messen, aber nicht wegen angeblichen "liturgischen Missbräuchen", sondern weil ich ein Karnevalsmuffel bin - das soll's sogar unter Kathos geben. Aber diese neunmalkluge, oberlehrerhafte Suada eines Teenagers, der redet, als sei er Kardinal Burke, ist einfach nur peinlich. Wie so einiges bei dem Linzer Portal, dazu hat Bischof Oster ja jetzt das Seinige gesagt.

      Es ist wirklich heuchlerisch: über den Bohei im Kölner Dom, wenn das alberne "Dreigestirn" seinen Introitus dort inszeniert und von Kardinal Meisner bzw. Woelki wohlwollend vorne empfangen wird, hat sich noch kein Tradi aufgeregt...

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  2. Guardini ist zuzustimmen!
    Sogar unter Kardinal Meisner war richtig was los im Kölner Dom,
    wenn der Karneval ausgebrochen war.
    Die Kritik auf "kath.net" empfinde ich als lieblos und überhaupt nicht
    konstruktiv. Warum hat man es dort nicht auch so gemacht wie der
    Blogger Kreuzknappe, und hat einfach auch mal die Gegenseite
    um eine Stellungnahme gebeten?
    Weil das nicht ins Konzept passte, immer schön draufzuhauen?

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    1. Tja, die Brüder von kath.net sind halt noch dem guten alten DDR-Motto verplichtet:
      Immer wachsam bleiben, denn der Klassenfeind (sc. die "Liberalen") schläft nie!

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  3. Fastnachtsmessen gibt es gar nicht. Es gibt nur heilige Messen.

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  4. Lieber Kreuzknappe, ich weiß nicht, in was für einem kirchlichen Umfeld Sie aufgewachsen sind - ich jedenfalls kann die Reaktion des Herrn Fixemer aus meinen eigenen Erfahrungen in diesem Alter gut nachvollziehen.

    "Nachvollziehen" heißt nicht, dass ich die Reaktion sinnvoll fände - vor allem nicht diesen prominenten Publikationsort. Da schreibt sich ein junger Mann den Ärger von der Seele - das hab ich damals auch zu Genüge getan, aber die entsprechenden Texte sind in den Tiefen meiner Festplatte verschwunden, allenfalls habe ich sie mal an ein paar Freunde gemailt.

    Aber zurück zur Sache: Ich weiß nicht, ob Sie eine Vorstellung haben, wie unglaublich einsam man in der Kirche als junger Mensch sein kann, wenn man den ganzen Jugend- und Eventzirkus nicht mitmachen will. Man ist in aller Regel der einzige, der das so sieht, und muss sich auch noch dumme Sprüche der Verantwortlichen anhören, man solle sich doch nicht so ausgrenzen u. dgl.

    Dass einem da der Kragen platzt, finde ich völlig legitim. Mit 19 ist man noch dabei, sich in der Kirche und in der Welt zu orientieren, und solche Konflikte sind da wichtig und nötig. Auch dass man ein solches Pamphlet dann an kath.net schickt, ist völlig in Ordnung. Man will ja endlich mal Gehör finden, wo man sonst immer auf taube Ohren stößt. Der Fehler liegt bei kath.net - sie hätten es nicht in dieser Form abdrucken sollen.

    Inhaltlich kann ich übrigens fast alle Kritikpunkte unterschreiben. Dass "die Vorgaben für Kinder- und Jugendgottesdienste eingehalten" wurden, sagt doch überhaupt nichts. Deswegen wird noch lange keine würdige Messe draus. In der Kirche (der deutschen zumal) ist so manches erlaubt, was trotzdem kritikwürdig ist. Und ob das mit den Speisen im Kirchenraum wirklich eine Lüge ist, wie Sie unterstellen, geht doch aus dem Foto, das gar nicht den gesamten Raum zeigt, überhaupt nicht hervor. Da würde ich doch den Ball mal sehr flach halten.

    Ich war und bin ansonsten immer skeptisch gegenüber Jugendlichen, die "voller Begeisterung ihre Ideen entwickeln" und dabei in Wahrheit oft genug nur die Beschäftigungstherapie ihres Jugendseelsorgers abarbeiten. Meine Sympathie lag dagegen immer bei den selbständigen Geistern, die sich dem Gruppenzwang widersetzen.

    Ich erwarte von keinem 19jährigen, dass er den völligen Überblick hat, welche Reaktion in welchem Rahmen angemessen ist. Erst recht erwarte ich von ihm keine emotionale Mäßigung - die kann er immer noch zeigen, wenn er 60 ist. Wenn er sich dauerhaft in einer Negativhaltung versteifen sollte, wäre das bedauerlich. Aber dafür gibt es im Moment ja keinerlei Anzeichen.

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    1. Danke, lieber Bloggerkollege Geistbraus,
      für die ausführliche Stellungnahme.
      Wir sind da möglicherweise gar nicht so weit voneinander entfernt.
      Bezüglich Beckingen habe ich mich mit mehreren Artikeln klar
      positioniert und verstehe Zorn und Enttäuschung.
      Ich habe die Trauer und den Kampf um den Pfarrer noch gut in
      Erinnerung, auch durch einige Videos mit Pfarrangehörigen.
      Der junge Mann hat ja gar nicht unrecht,
      wenn er feststellt, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird.
      Diese Botschaft geht aber fast unter in seinen z.T. ziemlich
      einseitigen Formulierungen. Wie ich schon im Artikel geschrieben
      habe, weiß ich durch Kontaktaufnahme mit den Veranstaltern,
      dass die sich dadurch verletzt fühlen.
      Das war doch sicher nicht die Absicht des Schreibers...?!

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    2. Wobei @Geistbraus' Stilisierung des 19-Jährigen zum heldenhaft selbstdenkenden Nonkonformisten ja auch schon wieder eine Stilisierung ist, von der wir gar nicht wissen, inwieweit sie zutrifft. Wer weiß, ob der Autor nicht einfach ein unselbständig-angepasstes Mauerblümchen ist, das an den Lippen seines ultrakonservativen Beichtvaters hängt und unverdaut die Phrasen nachplappert, die in seinem kath.net-begeisterten Messdienerkreis en vogue sind.
      Beides wäre denkbar, und beide Beurteilungen wirken vorschnell und interessegeleitet.

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    3. Wo gibt es "kath.net-begeisterte Messdienerkreise"? Manchmal kommt es mir so vor, Du - und nicht Mosebach - lebtest in einer Phantasiewelt... :/

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  5. Mein Pfarrer "fühlte" sich auch verletzt, als ich ihm eröffnete, dass entgegen seiner Aussage in einer Predigt, wir womöglich nur dann erlöst sind, wenn wir aktiv Jesus nachfolgen und nicht wie er behauptete, automatisch am Tisch des Herrn Platz nehmen werden. Allerdings war es gar nicht meine Absicht jemanden zu verletzen.

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  6. Bei Facebook zu lesen:

    »Bistum Trier - Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Dillingen: — Wir unterstützen MIA, ihre Gottesdienstformen und ihre Arbeit. Wir danken all' den Jugendlichen sowie den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr großes Engagement.«

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  7. Nemrod meint: Aha, die Fachstelle Dillingen...das war doch die, die in trauter Eintracht mit der Beckinger Gemeindereferentin seinerzeit in dem " Offenen Brief" gegen die Unterstützer von Pfarrer Eckert intrigiert haben. Daß diese Leutchen MIA unterstützen ist doch wohl klar....

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