Samstag, 18. April 2015

Was die Seelsorgestudie auch enthüllt: Über die Hälfte der Priester geht selbst kaum beichten!

Am Donnerstag wurde die bislang größte Studie über Seelsorger, ihre Probleme
und ihre Berufszufriedenheit vorgestellt; ich schrieb sofort darüber. Die Ergebnisse sind z.T. erstaunlich, inbesondere auch, weil sich entgegen allen Erwartungen zeigte, dass die Priester und pastoralen Mit-
arbeiter weitaus zufriedener mit ihrem Beruf sind als der Querschnitt der Bevölkerung. ---> HIER !

Inzwischen liegt nicht nur die ausführliche Form des Textes für die Pressekonferenz als pdf-Datei vor, sondern auch ein paar Kommentare,
die sich mit Details beschäftigen. Es war mir auch schon aufgefallen, aber ich wollte gerne erst mal abwarten, ob anderen das auch aufstößt, oder ob ich da vielleicht etwas überempfindlich beim Lesen war: Ein etwas irritie-
rendes Teilergebnis ist die eigene Beziehung der über 8600 Antwortenden zur persönlichen Beichte.
Man erfährt nämlich, dass 54 % der befragten Priester nur einmal jährlich oder noch seltener zur Beichte gehen. Bei den Gemeindereferenten (88 %) bzw. Pastoralassistenten (91 %) sind es fast alle, die dieses Sakra-
ment selbst so nachlässig handhaben.
Nun gilt sicher bei diesem Thema: Wer bin ich, um darüber zu urteilen?
Es liegt mir ferne, dies lautstark zu kritisieren. Eher bin ich traurig, wenn ich das lese. Die Priester predigen, feiern die Heilige Messe, tun dieses und jenes, und die meisten engagieren sich gewiss sehr.

Aber ist da nicht etwas faul, wenn die Hirten selbst kein Vorbild für ihre Schäfchen sind? Da liest man immer mal wieder kluge Überlegungen zur Beichtpastoral, und dann kommt heraus, dass die Mehrheit der Seelsorger selbst gar keinen rechten Bezug zum Bußsakrament hat. Oder ist das jetzt eine unzulässige Interpretation?
Es mag für ein solches Verhalten die verschiedensten Gründe geben, aber besonders optimistisch bezüglich der Zukunft des Bußsakramentes bin ich nach dieser Erkenntnis nicht...
Dass nur 58 % der Priester bei dieser Umfrage angaben, täglich (oder mehrmals täglich) zu beten, passt irgendwie zum Dilemma der lockeren Beichtpraxis, oder...?
Ausführlicher Pressetext (pdf) ---> KLICKEN !
Bloggerkollege Jürgen Niebecker fiel es auch auf ---> HIER !

Kommentare:

  1. Das mit der Beichtpraxis wundert mich nicht wirklich, da es jahrzentelang Top-Agenda-Punkt war, den Leuten Bußgottesdienste als angeblich vollwertigen Ersatz für die Ohrenbeichte schmackhaft zu machen.

    Bedenklicher stimmt mich, daß über 40% der Priester trotz mit der Weihe versprochenem Stundengebets nicht auf tägliche Gebete kommen. Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber ich meine, daß auch Gemeinde-/Pastoral- -assistenz/-referenz mit der Sendungsfeier eine Verpflichtung auf zumindest Laudes&Vesper ablegt als Teil des immerwährenden Gebets der Kirche.

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  2. Seelsorger, die noch nicht einmal für ihre eigene Seele sorgen -
    was sagt uns das über den Zustand der Kirche in Deutschland???

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  3. Man müsste vor allem einmal erforschen, was die Gründe für
    diese Verweigerungshaltung sind.
    Wie steht es z.B. in der Priesterausbildung mit dem Bußsakrament?

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  4. Das ist dann wohl die schmerzliche Stunde
    der ungeschminkten Wahrheit für die deutsche Teilkirche.
    Ob die Bischofskonferenz es für nötig befinden wird, das Thema
    auf ihrer nächsten Vollversammlung zu behandeln?

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  5. Die Nörgler hier sollten zur Abwechslung mal ganz praktisch denken:
    Wo bzw. bei wem soll bei dem großen Priestermangel ein deutscher
    Priester denn beichten gehen?
    Vielleicht beim Nachbarpfarrer, den er ohnehin nicht leiden kann?
    Nicht jeder Seelsorger hat die Zeit, um 50 km in ein Kloster zu fahren,
    wo er nach Voranmeldung beichten kann.
    Also bitte den Ball flach halten und hier nicht hyperventilieren !!!

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    1. Priester haben 1x pro Woche ihren freien Tag. — Den könnten sie hin und wieder als ihren persönlichen, geistlichen Tag gestalten. Da könnte sie auch »50 km in ein Kloster zu fahren«.
      Bei anderen Weltpriestern zu beichten ist freilich schwierig, wenn die alle am gleichen Wochentag ihren freien Tag haben…

      Letztlich muß man aber sagen: Wem das Bußsakrament etwas wert ist, der scheut auch keine Zeit und weiten Wege.

      Das Problem liegt NICHT auf der praktischen Ebene, sondern viel tiefer.

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  6. Ich erspare mir jeden persönlichen Kommentar,
    sondern zitiere wörtlich aus dem "Direktorium für Dienst und Leben
    der Priester", hrsg. von der Kongregation für den Klerus:

    "53. Beichten als Notwendigkeit

    Wie jeder gute Gläubige hat es auch der Priester nötig, die eigenen Sünden und Schwächen zu beichten. Er weiß als erster, daß ihn die Praxis dieses Sakraments im Glauben sowie in der Gottes- und Nächstenliebe stärkt.

    Damit unter besten Bedingungen und wirksam die Schönheit der Buße gezeigt werden kann, ist es wesentlich, daß der Diener des Sakramentes ein persönliches Zeugnis bietet und den anderen Gläubigen in der Erfahrung von Vergebung vorangeht. Dies ist auch die erste Bedingung für eine pastorale Wiederaufwertung des Sakraments der Versöhnung. In diesem Sinn ist es gut, wenn die Gläubigen wissen und sehen, daß auch ihre Priester regelmäßig beichten gehen:(170) »Die ganze priesterliche Existenz würde unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und auch die Gemeinde, deren Hirte er ist, wird dessen bald gewahr«.(171)

    http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cclergy/documents/rc_con_cclergy_doc_31011994_directory_ge.html

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    1. Herzlichen Dank für den Hinweis auf das Direktorium.
      Das ist ein wirklich guter Text, den die Priester sich zu Herzen nehmen sollten.

      http://kikreukreu.blogspot.de/2015/04/zum-dienst-und-leben-der-priester.html

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