Montag, 23. Mai 2016

"FAZ" und "Open Doors" im Clinch - Verfolgte Christen in Flüchtlingsheimen: Ja oder nein?

Am gestrigen Sonntag schrieb ich über die aktuell zahlreichen Medienberichte, nach denen die von "Open Doors" be-
richtete Verfolgung christlicher Flüchtlinge so wie dargestellt gar nicht stattgefunden haben soll. Die "FAZ", die den Stein ins Rollen gebracht hatte, wählte die ungeheuerliche Schlagzeile "Zweifel an Christenverfolgung in Flüchtlingsheimen" ---> HIER !
Doch wie das so geht: Es gibt oft genug nicht "die" Wahrheit, sondern man muss genauer hinschauen. "Open Doors" jedenfalls hat laut Artikel des Me-
dienmagazins "pro" die Kritik energisch zurückgewiesen und nun seiner-
seits mal ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, wie das in diesem Zusammenhang mit der Anfrage der "FAZ" gelaufen ist. 

Merke: Höre immer beide Seiten...!
Stellungnahmen ---> HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Da ist man platt, wie die "FAZ" an die
    Sache rangegangen ist.
    Naja, schon die Schlagzeile zeigt, dass die
    Boulevardisierung der einst seriösen Presse
    weit fortgeschritten ist.

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  2. Die FAZ hat nochmal nachgelegt.
    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/religioese-verfolgung-weil-sie-christen-sind-14246066.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Mir war Open Doors immer suspekt, seit ich die in Maria Wald mal erlebt habe. Im Prinzip sind die ja genauso drauf wie die Salafisten: Sie instrumentalisieren ihre Religion dazu, um sich selbst als Opfer hinzustellen und auf diese Weise Mitglieder zu gewinnen, die sich selber auch gern als Opfer fühlen wollen. Ein billiges, aber leider sehr wirkmächtiges Instrumentalisieren von Emotionen.

    Das ist genau derselbe Denkmechanismus wie im LIES-Salafismus, der für viele ja die Vorstufe zum Dschihaddismus ist.
    Da geht es auch immer um Schuldzuweisung (an die "anderen") und genüssliches Auskosten der Opferrolle (für einen selbst).

    Die Objektivität und selbstkritisches Denken gehen da natürlich flöten, selbst wenn man punktuell durchaus mal richtig liegen kann, was ja sowohl bei OpenDoors der Fall ist (die "den Islam" für die unsichere Lage "der Glaubensgeschwister" in Flüchtlingsheimen verantwortlich machen) als auch bei Salafisten (die "den Westen" für das Leid "der Glaubensgeschwister" im Nahen Osten verantwortlich machen).

    Nicht umsonst werden Salafisten in der religionssoziologischen Forschung ja oft mit Evangelikalen verglichen, weil die fundalistische Denke genauso funktioniert und es immer auf eine "Wir-gegen-die-Logik" hinausläuft, garniert mit vernunftkritischen Glaubensgrundsätzen.

    Das Schlimme an Open Doors sind nicht die wichtigen Infos, die sie über Fälle von religiöser Verfolgung von Christen publik machen. Das ist absolut wichtig und richtig, darauf hinzuweisen und auch zu alarmieren, dass sowas vorkommt.
    Das Problem bei Open Doors ist aber, dass sie eben nicht für Verständigung eintreten und Versöhnung anstreben, sondern Gegensätze bewusst verschärfen wollen und Feindbilder aufbauen, eben eine "Wir-gegen-die-Logik" eintrichtern.

    Dazu kommen die unsauberen Methoden, aber das ergibt sich von selbst, wenn man erstmal auf so einem apologetischen Trip ist.

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    1. Eine Schwalbe macht noch lange nicht den Frühling zum Sommer. Ich weiß nicht wie du Open Doors erlebt hast aber deine Vorwürfe weise ich vehement zurück, denn es ist ganz bestimmt nicht die Absicht von Open Doors "Gegensätze zu verschärfen... Verständigung und Versöhnung im Wege zu stehen..." sondern das Gegenteil ist der Fall.
      1. Zuallererst geht es Open Doors darum zu Informieren (das als wichtig erwähnt worden ist) aber die Informationen sind nur Mittel zum Zweck, denn nur wer informiert ist, kann auch entsprechend helfen, vor allem Beten.
      2. Die Versöhnung und Verständigung ist das ausgesprochene Ziel von Open Doors in den verschiedenen Ländern um die "Parteien" zusammen zu bringen. Ein Bsp. der Begründer der Organisation hat sich in viele Fälle mit den Führern verschiedene Terrorgruppen persönlich getroffen um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und mögliche Lösungen zu finden.
      Unwissenheid ist die Schwester des Krieges und deshalb meine Bitte, erst informieren und nachdenken, dann reden, bzw. tippen.

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    2. Das Stellenprofil für einen Open-Doors-Funktionär ist seit den Enthüllungen von Tobias Klein bekannt. Es ist strikt evangelikal.
      http://mightymightykingbear.blogspot.de/2015/07/closed-doors.html

      Die Organisation kommt also aus einer Richtung des Christentums, die Tauf- und Bibelmissionare in nichtchristliche Länder schickt, um dort zu provozieren und Verfolgungen auszulösen und auf diese Weise in den Himmel zu kommen.

      Selber Verfolgungen zu provozieren, um in den Himmel zu kommen, ist auch in meiner Missionstradition (der frzk.) von Anfang an ein Thema gewesen (die Protomärtyrer in Marokko starben 1219 auf diese Weise).
      Franz hat das abgelehnt, obwohl er selber auch Märtyrer werden wollte, und im Missionskapitel der ersten Regel den Begriff „subditus“ (Untertan) für einen Missionar in musl. Ländern geprägt: Der Missionar soll einfach beispielhaft unter Moslems leben, sich ihren Regeln unterwerfen und nur im Notfall oder wenn er sterben möchte missionieren.

      Die Franziskaner haben sich nicht immer an dieses Konzept gehalten, aber im Grundsatz liegt es der heutigen Kustodie noch immer zugrunde.

      Als ich diese Leute in Maria Wald erlebt habe, waren Flüchtlingsheime noch kein Thema. Da ging es um "Christenverfolgung" als Identifikationsmarker für konservative Christen, die sich selbst gern "verfolgt" fühlen. Das war sehr deutlich spürbar. Die Unterschiede zw. (ultra-)konservativen Tradis und (ultra-)konservativen Evangelikalen wurden weggewischt, um der gemeinsamen Opferleidenschaft zu frönen.

      Aus frzk. Sicht wurde dieser Ansatz, die eigene „Verfolgung“ in den Mittelpunkt zu stellen und damit Emotionen zu schüren, schon immer als problematisch betrachtet.
      http://franziskaner.de/index.php?id=85&no_cache=1&tx_ttnews[backPid]=87&tx_ttnews[tt_news]=1043&cHash=b6191956fb84f4fdf12105eea5df6ff4&type=1
      (frzk. Stellungnahme zu Open Doors aus 2011)

      Die aktuelle Intervention passt da (mitsamt ihren Unsauberkeiten, etwa der plakativen Hochrechnung auf „40.000“ Fälle deutschlandweit) sehr gut ins Bild. Man sieht nur noch die „eigenen Leute“, die „verfolgt“ werden, blendet andere Zusammenhänge aus und schlägt undifferenziert-alarmistisch auf die Pauke. Und das zu einer Zeit, in der in Dtschl. der Islamhass dramatisch wächst und sich zunehmend gegen einheimische Muslime richtet und solche Anti-Islam-Signale von Nationalisten sofort dankbar aufgenommen werden (Björn Höcke zitiert Open Doors genüsslich in seinen Ansprachen).

      Auch gehören gerade streng Evangelikale schon lange zu den schärfsten Gegner einer christlichen Flüchtlingspolitik und mischen seit langem beim Islamhass mit. Offenbar musste Open Doors da liefern, weil die eigene Klientel sonst abspringen könnte und einen „Aufschrei“ gegen Moslems von Open Doors einforderte.
      http://www.efk-riedlingen.de/wordpress/?p=1537

      Diese schrille und undifferenzierte Stimmungsmache dient keineswegs der Friedensstiftung, sondern allenfalls der Selbstbeweihräucherung und der Generierung von Täuflingen. Für Evangelikale mag das angehen, für frzk. Christen nicht, da steht Friedensstiftung ganz klar vor Taufe.

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  3. Die "FAZ" versucht zu retten, was zu retten
    ist und hat einen Artikel nachgeschoben:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/religioese-verfolgung-weil-sie-christen-sind-14246066.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Dummerweise haben deren Journalisten jedoch
    in letzter Zeit offenbar wenig Fernsehnachrichten
    geschaut:

    https://www.youtube.com/watch?v=2rcTe1xH9PA

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  4. Die "FAZ" sollte mal
    das hier schauen:

    http://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/staatsschutz-ermittelt-christliche-fluechtlinge-in-tempelhof-bedroht

    https://www.youtube.com/watch?v=kJG38z0E9qg

    https://www.youtube.com/watch?v=HBItW4pzqUI

    https://www.youtube.com/watch?v=29ZWfQxeWrU

    https://www.facebook.com/Steglitz-Lutherisch-417213035155072/

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article152714093/Wer-schuetzt-die-Fluechtlinge-vor-den-Securitys.html

    http://neckaralblive.de/news/10381/christen-klagen-uber-bedrohung-in-deutschen-asylunterkunften

    Wer Schlagzeilen abliefert wie "Zweifel an Christen-
    verfolgung in Flüchtlingsheimen"
    verhält sich meiner Meinung nach unverantwortlich !!!

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  5. Die "FAZ" redet am Thema vorbei,
    das finde ich auch.
    Es ist doch nebensächlich, ob die Studie von Open Doors
    methodische Fehler und Schwächen enthält.
    Der Schutz von Menschenleben und die Menschenrechte
    auch für Minderheiten, auch für Christen, das ist das
    Thema.
    Aber wie man unsere Journalisten so kennt, geht es
    längst nicht mehr um die Menschen, sondern nur noch
    darum, den Anschein zu erwecken, man habe mal wieder
    Recht behalten...
    Mein Vater nannte solche Leute Korinthenkacker und
    Sesselfurzer, ich würde das nie so sagen...

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