Donnerstag, 23. Juni 2016

In Deutschland verboten! - Kommen Sie bloß nicht auf die Idee, das Sonntagsevangelium wörtlich zu zitieren!

Ich erinnere mich noch
an die ersten Tage meines Vor-
gängerblogs "Mein Predigt-
garten"
im Sommer 2007:
Da flatterte mir alsbald ein amtliches Schreiben ins Haus, man wolle von mir den Nach-
weis haben, wer mir denn die Berechtigung erteilt habe, liturgische Texte  - sprich: das jeweilige Sonntagsevangelium - im Internet zu publizieren.
Meine Leser kennen das und sehen das auch heute im Laufe des Tages wieder für den 13. Sonntag C am 26. Juni: Ich schreibe den Text des Evangeliums wörtlich ab, zur leichteren Orientierung.
Genau das aber ist eigentlich verboten! In Deutschland (anderswo auch) gelten sogar für die Bibel (Einheitsübersetzung) Urheberrechte. 

Und so bekam ich also den bösen Brief der "Ständigen Kommission für
die
Herausgabe der Liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet".          Diese Kommission verwaltet die Rechte an der Einheitsübersetzung.
Allen Ernstes erwartete man von mir, jeweils neu eine Abdruckerlaubnis zu beantragen unter Vorlage der "Druckfahne" und gegen eine Lizenzgebühr, versteht sich.

Damals spottete ich umgehend in einem Artikel meines Blogs, diese "BEZ" (Bibel-Einzugs-Zentrale) sorge in weiser Voraussicht dafür, dass die Ver-
öffentlichung von Bibeltexten nicht überhand nimmt. Der Kommission habe ich damals geantwortet, dass ich für die Veröffentlichung von Bibel-
texten um Entschuldigung bitte - und ich habe es eine Zeitlang nicht mehr getan. 

Es gab da aber anscheinend jemanden, der bei den gestrengen Herren der Bibelaufsicht ein gutes Wort für mich eingelegt hat, denn einige Zeit später bekam ich ein weiteres Schreiben, in welchem mir die generelle Erlaubnis erteilt wurde, und man verzichte auf die Lizenzgebühr.
Warum ich das schreibe? Bade ich jetzt auch schon in Nostalgie und "Kriegserlebnissen"?  --  Mitnichten! - Das Verbot gilt generell immer noch, und das auch für die Neuausgabe der Einheitsübersetzung, die im Herbst erfolgen wird. Wer die Bibel (einen längeren Abschnitt) zitiert, muss um Erlaubnis fragen und muss zahlen!
Dagegen gibt es jetzt Protest in Form einer online-Petition:       Dort kann man sich unterstützend eintragen, wenn man der Meinung ist, dass so etwas im online-Zeitalter nicht mehr passt. Bibeltexte sollten frei zugänglich und frei zitierbar sein.
Man lese (und trage sich vielleicht sogar ein) ---> HIER und die Petition ---> HIER !    

Kommentare:

  1. Die Chancen, dass die Bischöfe diesen unwürdigen
    Zustand beenden, stehen angeblich schlecht:

    http://www.kathpress.at/goto/meldung/1391324/neue-einheitsuebersetzung-ordensmann-fordert-open-access-bibel

    AntwortenLöschen
  2. Wie bitte?
    Der Bibeltext ist urheberrechtlich geschützt
    und darf nicht zitiert werden?
    Sind denn nun alle eigentlich völlig balla-balla?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es gilt die übliche Zitat-Regelung,
      wie auch bei Zitaten aus Zeitungen usw.:
      Zwei, drei Sätze sind mit Quellenangabe
      noch erlaubt, längere Zitate bedürfen
      der vorherigen Genehmigung und ggf. Bezahlung.

      Löschen
  3. Die weltlichen Dinge, selbst fragwürdige Vorschriften des Demokratenregimes, sind den Oberkatholen längst vorrangiger Maßstab ihres zunehmend unwürdigen Lebens ...

    Tatsächlich entspricht der Status Quo der Rechtslage, wenn man darunter - wie üblich geworden - die vor den Volksgerichtshöfen des Demokratenregimes durchsetzbaren Vorschriften desselben verstehen will.
    Die Übersetzung ist als solche von dort "urheberrechtlich" geschützt und dieses staatliche Privileg erlischt erst nach 70 Jahren. Bibeltexte können Sie soviel lizenzfrei zitieren, wie sie wollen, aber eben nur im entsprechend alten Original oder in entsprechend alten Übersetzungen. Nicht umsonst ist deshalb die Lutherbibel so beliebt im Internet.

    Es ist, wie es ist: Selbstredend müßten die unseligen Schöpfer und Verwerter der ohnehin fragwürdigen Einheitsübersetzung das staatliche Privileg nicht nutzen und könnten stattdessen die allgemeine Bibelkatechese befördern. Das gibt aber kein Geld hienieden und an daroben glaubt man dort wohl eher nicht mehr, wenn ich meinen eigenen Schriftverkehr mit diesen weltgängigen Oberkatholen so betrachte.

    Tatsächlich ist das Urheberrecht völlig überspannt, wie der gesamte Bereich fantasierten "geistigen Eigentums". Doch dies ist noch einmal eine andere Geschichte in einer Welt, die sehr weitgehend nur noch falsch ist und sich nicht mehr an Recht und Moral orientiert, sondern an Macht und (Volks)willen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wieso bezeichnen Sie die Einheitsübersetzung als fragwürdig?
      Ich finde sie sehr gut gelungen und im Gegensatz zur altertümlichen Lutherbibel auch sehr gut verständlich.
      Mir gegenüber hat bislang noch niemand nachweisen können, dass die Einheitsübersetzung in einzelnen Passagen sinnentstellend oder gar falsch ist.
      Ich bedauere sehr, dass die EKD vor Jahren unter der damaligen Ratsvorsitzenden Margot Käßmann sich von der gemeinsamen Einheitsübersetzung zugunsten einer revidierten Lutherbibelübersetzung getrennt hat.
      Ein ökumenischer Rückschritt!

      Löschen
  4. Geld, Geld, Geld,
    das ist das beherrschende Thema in der katholischen
    Kirche Deutschlands.
    Es wäre für die Bischöfe ein Leichtes, diese Vorschrift
    fallen zu lassen. Aber wenn das Geld im Kasten klingt,
    der Bischof stets vor Freude springt...!
    FREMDSCHÄMEN IST ANGESAGT!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit anderen Worten:
      Die deutschen Bischöfe verhindern die
      Verbreitung von Gottes Wort.
      Das muss man sich mal auf der Zunge
      zergehen lassen.
      Merkwürdig finde ich, dass diese längst
      Fällige Petition erst jetzt online ist.
      Haben unsere Stuhlkreis-Katholiken
      des ZdK kein Interesse daran?

      Löschen

Bitte beachten: DERZEIT versuchsweise wieder Leserkommentare möglich. Anonyme oder beleidigende Zuschriften haben keine Chance! Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
=============================================