Mittwoch, 6. Juli 2016

Priester bringt Schild an: Sie wollen beichten? - Dann aber bitte flott, flott, ich habe keine Zeit!

Rund um die Beichte gibt es ja eine Menge wahre Geschichten. In meiner Kindheit gingen wir z.B. besonders gerne bei einem Pater in der Kloster-
kirche beichten. Der Grund war simpel: Er war ziemlich schwerhörig, was er nicht zugeben wollte, und deshalb lief die Schülerbeichte immer zügig und ohne für uns Kinder manch-
mal lästige Rückfragen ab.
Nach gut fünf Minuten war man im-
mer wieder draußen und verrichtete die auferlegten Bußgebete unver-
züglich; was erledigt ist, das ist erledigt...
Bei den Beichtvätern gibt's riesige Unterschiede. Ich schrieb im Mai in meinem Blog z.B. über einen jungen Priester, dem beim Beichten ausgerechnet auch noch im Petersdom die Missstände derart böse aufstießen, dass er dies in einem Beschwerdebrief an Papst Franziskus kundtat. Ein Beichtvater hatte z.B. während des Sündenbekenntnisses die Zeitung gelesen! ---> HIER !

Ein offenbar vielbeschäftigter und gestresster Priester in Belgien brachte vor dem Beichtstuhl eine Hinweistafel an, die die Gläubigen quasi zu einer "Turbo-Beichte" auffordert: Nur bis 17.30 Uhr "und keine Minute länger" höre er dort Beichte, verkündet das Schild, und man möge bitte flott, flott machen und bitte möglichst effizient beichten.
Man solle deshalb "direkt auf den Punkt kommen" und bitte nur "die Sün-
den und
Vergehen" aufzählen, es bestehe bei ihm kein Bedarf, zu erfahren, warum der Sünder dieses oder jenes getan habe.
Na, ob diese Art Beichte wirklich im Sinne des Erfinders ist, wenn das im Galoppverfahren und offenbar ohne tieferes Gespräch stattfindet? - Vielleicht ginge es noch schneller, wenn man nur die wichtigsten zwei,
drei Sünden nennen würde?!
---> HIER !

Kommentare:

  1. Summorum pontificum6. Juli 2016 um 10:09

    Der Artikel des Kreuzknappen ist verwirrend. Es kommt bei der Beichte nicht auf das "wie" an, sondern auf das "was". Die Sünden müssen benannt, bekannt und dann ordnungsgemäß vergeben uhd gebüßt werden, damit das Sakrament gültig ist. Was der Priester dabei macht, ist egal, meinetwegen darf er auch Zeitung lesen. Er muss die Worte recht sprechen, dann ist es gültig. Sakramente "funktionieren" ex opere operato, es kommt nicht auf den "Habitus" des Priesters an. Das ist uralte kirchliche Lehre.

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    1. Zeitung lesen? Meinen Sie nicht, der Priester sollte seine ganze Aufmerksamkeit lieber dem Pönitenten zuwenden?

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    2. Summorum pontificum6. Juli 2016 um 10:09

      Aha. Er muss also "die Worte recht sprechen, dann ist es gültig". Die Absolutionsformel ist also so eine Art Zauberspruch, der nur funktioniert, wenn die Wort recht gesprochen sind.
      Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, dass es Gott eher auf die Einstellung des Beichtenden ankommen könnte als auf "recht gesprochene Worte" des Priesters und dass Gott eventuell weniger kleinkariert ist, als Sie meinen?
      (Nein, meine Meinung zu dem Thema hat nichts mit dem Franziskus und seinem Barmherzigkeitsgetue zu tun. Und Zeitung Lesen ist im Beichtstuhl ein absolutes No-Go)

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  2. Schrecklich!
    In der Beichte soll der Beichtende
    doch auch Hilfestellung bekommen, damit er zukünftig
    die eine oder andere Sünde vermeiden kann.
    Wie soll das bei solcher Hektik geschehen?
    Vielleicht sollte dieser Priester den Beruf wechseln.

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  3. So geht das wirklich nicht!
    Wie kommt sich der Beichtende denn da vor?!
    Eigentlich stört er mit seinem Beichtwunsch ja nur.
    Aber wenn es unbedingt sein muss, dann bitte
    zack zack!
    Dem betreffenden Priester empfehle ich dringend
    dieses Video:

    https://www.youtube.com/watch?v=8opTN-lmnsE

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  4. Mag sein, dass ich etwas empfindlich bin,
    aber wenn ich solch ein Schild am Beichtstuhl
    sehen würde, wäre ich sofort wieder verschwunden.
    Bei solch einem Herrn möchte ich ganz bestimmt
    nicht beichten - ich müsste ja Angst haben,
    einen zu langen Satz zu sprechen und seinen
    bösen Blick dafür zu ernten!

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  5. Summorum pontificum6. Juli 2016 um 13:21

    Die empörten Leserkommentatoren hier haben offenbar die Kirchengeschichte nicht studiert. Sie argumentieren wie die Häretiker der sog. Donatisten, die das Sakrament auch von der Haltung des Priesters abhängig gemacht haben. Das Sakrament wirkt aber aus sich selbst, sofern der Priester die gültigen Worte spricht. Der Rest ist pure Emotionalität, die in Glaubensdingen keine Rolle spielen kann.

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  6. Wir gehen 1-2mal jährlich in einem ca. 1 Autostunde entfernten Benediktinerkloster beichten.
    Wir sind dort nie enttäuscht worden; ganz im Gegenteil.
    Es geht ganz ohne Zeitdruck; meist 30 -40min, was allerdings auch damit zusammenhängt, dass derzeit nur wenige Menschen überhaupt beichten.
    Obwohl uns klar ist, dass es in Wirklichkeit Christus ist, der in der hl. Beichte wirkt, und die Person des Beichtvaters sekundär und für die Gültigkeit nur bedingt entscheidend ist, ist uns die äußere Form und die Atmosphäre doch sehr wichtig:
    Wir beichten im Gegensatz zu früher nur noch sitzend in der Form eines Beichtgespräches. Es brennt eine Kerze auf einem kleinen Tisch zwischen Beichtvater und mir, ein Kreuz mit Korpus ist vorhanden und ebenso die heilige Schrift.
    Da ich im Gegensatz zum Priester nicht an das Beichtgeheimnis gebunden bin, gebe ich oft zu Beginn eine kurze Rückmeldung von Beichterfolgen früherer Beichtgespäche.
    Der jeweilige beichthörende Priester ist dort entspannt, hört aufmerksam zu und hat Zeit.
    Was er mir sagt kann direkt hilfreich sein, muss es aber nicht sofort und zwingend in jedem Fall.
    Erstaunlich ist aber, dass das Sakrament trotzdem bei mir wirkt, wie ich schon wiederholt an mir beobachten konnte. Im Gegensatz zu früher versuche ich nicht mehr krampfhaft, alle mögliche Sünden in die Beichte hineinstopfen, um nur ja keine zu vergessen. Vielmehr konzentrieren wir uns darauf, möglichst nur diejenige Handvoll aufzuzählen und auch detaillierter darzulegen, die uns am stärksten belasten. Diese Form der Beichte hat uns unser verstorbener alter und sehr frommer Erzbischof vor vielen Jahren in einer Fastenpredigtreihe empfohlen - war äußerst hilfreich. So kann man auch den Beichterfolg und die Veränderung an sich selbst viel besser beobachten.
    Die Lossprechung erfolgt ernst und feierlich durch den vor einem stehenden Priester, der einem dabei nach Wunsch die Hände auflegt und zum Schluss das Kreuz über einem schlägt.
    Wir sind stets sehr glücklich nach erfolgter Beichte, wenn wir in der Klosterkirche nachher unsere Gebete sprechen sowie beim gegenseitigen Austausch auf der Nachhausefahrt.

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  7. So wie ich das sehe, ist das Beichtverständnis im Kirchenvolk praktisch komplett neu zu erarbeiten. Dazu gehört eine gute Beichtvorbereitung und auch eine Unterscheidung der Schwere der Sünden (wir sind ja keine Protestanten). Und wie es Summorum pontificum oben anspricht, auch das uralte Wesen der Beichte ist wieder zu erkennen.
    Bin kein Theologe und kein Priester; denke jedoch, daß es früher vielleicht zu viel und zu leichtfertig die Beichte gab und heute zu wenig.
    Und ohne zum Vorfall hier genaueres zu wissen, ist das für mich nicht zwingend ein Aufreger.

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    1. Sehr gute Analyse.
      Es war früher nicht besser als heute, nur anders.
      Das beste Buch dazu, das ich kenne, ist Beichten von Rupert Maria Scheule.

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