Donnerstag, 17. November 2016

Theologen zu "Amoris Laetitia": Keine Einigkeit in der Interpretation des Papstschreibens!

Es ist ja nicht so, als wenn nur die vier Kardinäle mit ihrem an die Öffentlichkeit gegebenen Brief an den Papst unzufrie-
den sind mit Teilen von "Amoris Laetitia" - immer wieder kann man lesen, dass auch ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung einige Fragezeichen bestehen, insbesondere auch bezüg-
lich der Kommunionzulassung von wiederverheiratet Geschiedenen. - Letztlich haben nun die regionalen Bischofskonferenzen den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen, sich darüber einig zu werden, wie sie die-
ses und jenes nun auslegen wollen.

Bei "katholisch.de" kann man heute einen Kommentar von KNA-
Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel lesen, der auch durchblicken lässt, "der Papst und seine Vordenker täten gut daran, ihre eigenen Argumente noch einmal zu schärfen und theologisch zu untermauern" - hört, hört, möchte man da rufen! ---> HIER !

Doch auch die Theologen sind im Dauerstreit, wie "Amoris Laetitia" denn nun auszulegen sei. Aktuell kann man von einer Veranstaltung der Uni-
versität Salzburg
lesen, die der berichtende Journalist z.B. so um-
schreibt: "Es gibt keine Einigkeit in der Interpretation des Schreibens".
So wies etwa der Münchner Pastoraltheologe Prof. Dr. Andreas Wollbold "auf begriffliche Schwachstellen und systematische Unschärfen...hin"
---> HIER !

Und zur Erinnerung ergänzend ---> HIER und HIER und HIER !
Na, an diesem Dokument werden wir wohl noch lange zu knabbern haben...

Kommentare:

  1. Wenn man sieht, was für ein Durcheinander
    und was für eine Unruhe dieser Papst in die Kirche
    gebracht hat, kann man nur noch trauern!

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  2. Wer nach allen Seiten offen ist,
    der kann nicht ganz dicht sein.
    Es ist ja gut gemeint, wenn der Papst den Bischofs-
    konferenzen Freiraum geben will, so oder so zu
    entscheiden, bloß werden die dann schlauerweise diese
    Methode an die Priester weitergeben, die sollen dann
    je nach kirchenpolitischer Gesinnung (Gewissen) ent-
    scheiden, z.B. wen sie zur Kommunion zulassen und wenb
    eben nicht, und das nach etlichen langen Gesprächen,
    wie der Papst es wünscht.
    Mit der Realität in unseren großen pastoralen Räumen
    hat sowas nullkommanix zu tun.
    Die deutsche Bischofskonferenz hat sich bisher auch
    erfolgreich vor einer Stellungnahme für die Priester
    und Gläubigen gedrückt.

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  3. Das ist, mit Verlaub, wieder mal dummes Zeug zu dem Thema.

    Es sind ja immer dieselben, die behaupten, es sei hier etwas im "Unklaren" gelassen oder "Verunsicherung" erzeugt worden.
    Es sind genau dieselben, die im Vorfeld immer und seit vielen Jahrzehnten extrem unflexibel und theologisch komplett unbelehrbar in der Frage der Kommunionzulassung "irregulär" Lebender waren. Der Gipfel der Unbelehrbarkeit bestand darin, zu behaupten, es gäbe in dieser Frage eine festgefügte und unabänderliche "Lehre", die auf Jesus persönlich zurückginge und die auch ein Papst "leider" nicht ändern könne. Nichts davon ist wahr, und das ist (ebenfalls seit Jahrzehnten) jedem bekannt, der sich mit dem Thema befasst hat.

    Genau diese Kreise wissen ganz genau, dass die Enzyklika Amoris laetitia hier einen Durchbruch erzielt und die jahrzehntelange Lähmung aufgebrochen hat, indem der Begriff "irregulär" nicht mehr automatisch mit "sündhaft" gleichgesetzt und die Doktrin der "objektiven Sünde" (die es nach scholastischer Lehre nicht geben kann) überwunden wurde. Das ist alles andere als "unklar", und genau deswegen wehren sich diese Vertreter ja auch so vehement gegen diesen Paradigmenwechsel.

    Die penetranten Behauptungen, AL sei nicht "präzise" genug, sind einfach ein taktisches Manöver dieser (doktrinär hpts. vom OD und der US-amerikanischen "objektiven" Moralphilosophie gestützten) Fraktion, um einen Grund zu haben, weiter herumzumäkeln und eine Revision dieses Durchbruchs und Meilensteins der katholischen Sexuallehre zu erreichen.

    Dass der Papst nicht so klar sein konnte, wie er vlt. wollte, liegt an zwei Dingen:
    - Einmal daran, dass genau dieselbe, sehr gut vernetzte und unter Franzens Vorgängern etablierte, extrem intransigente Gruppe, die Sex als Kern des Christentums (miss-)versteht und keinerlei Kompromisse akzeptiert, im Synodenprozess und schon vorher ähnlich viel Wind gemacht hat wie jetzt wieder, sodass die Widerstände unerwartet stark waren.
    - Zum anderen ist es Franzens ureigene Politik, unterschiedliche Interpretationen und Traditionen zuzulassen und die Leute anzuregen, selbst zu einer für die jeweilige Kultur tragfähigen Lösung zu gelangen.

    Letzteres schmeckt natürlich den Hardlinern überhaupt nicht, weil sie denken, Sex sei überall gleich sündhaft. Wenn man sich die Unterschiede zwischen US-Amerikanern und anderen Katholiken ansieht, weiß man aber gleich, dass das falsch ist.
    Der mexikanische Primas hat das unmittelbar nach der Synode gut auf den Punkt gebracht und festgestellt, die Frage sei v.a. ein "amerikanisches" Problem (er meint nat. ein US-amerikanische).

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    1. Na klar, wie wir das von "Jorge" kennen:
      Alle, die anderer Meinung sind als er, sind quasi
      Dummköpfe, und die zahlreichen Professoren und Theologen,
      die ihre Bedenken gegen "Amoris Laetitia" äußern,
      sind allesamt nur Querulanten und Tradi-versiffte
      verkrachte Existenzen.
      Jetzt haben wir alle mal wieder kräftig gelacht
      und denken uns unseren Teil.

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    2. Eben, wie unsere Tradis so sind: kräftig ablachen und sich ihren Teil denken, anstatt auch nur auf eines der Sachargumente, die Leser Jorge gebracht hat, einzugehen.
      Das wäre ja auch zu anstrengend, weil man dazu denken und Quellen lesen müsste.
      Tradis lesen aber am liebsten nur den Katechismus und die Enzykliken von Pius X.

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  4. Zum Thema "Katholiken, die Sex für den Kern des Christlichen halten", hier eine aktuelle Meldung aus den so christlichen USA, die deutlich macht, was der wahre Kern des Christlichen ist:
    http://www.huffingtonpost.de/2016/11/17/familie-restaurant-rechnu_n_13039792.html?utm_hp_ref=germany&ir=Germany

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    1. Hallo Magdalene,
      wollen Sie uns für dumm verkaufen?
      Aus dem Artikel geht mit keinem Wort hervor,
      dass es sich dabei um Katholiken gehandelt hat.
      Ich habe aber meinerseits
      etwas Lesenswertes für Sie zum Nachdenken:

      http://www.jesus.ch/magazin/international/amerika/282977-weil_ihr_gebetet_habt.html

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    2. Es spielt übrhaupt keine Rolle, ob es sich bei dieser bigotten Familie um Katholiken gehandelt hat. Tatsache ist, sie verhalten sich so, wie man es bei sog. "konservativen Katholiken" im Blick auf homosexuelle Mitmenschen tagtäglich bis zum Überdruss hört.

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  5. Ordinariatsgeschädigter17. November 2016 um 17:12

    Ich kann bei Leser Jorge leider kein
    überzeugendes Argument erkennen.
    Worin soll der "Durchbruch" bestehen, wenn er nur
    zur Verwirrung und - wie man sieht - zu monatelangen
    Querelen führt?
    Mich würde vor allem mal interessieren, warum die
    deutschen Bischöfe, die schon vor einem Jahr die Heraus-
    gabe von Leitlinien für Familien verkündet hatten,
    die immer noch nicht veröffentlicht haben.
    Man ahnt es, und Leser Jorge sicher auch: Die sind unter-
    einander derart zerstritten, dass sie nur schwerlich auf
    einen Nenner kommen, und das, nachdem ihnen sogar eine
    recht gelungene Vorlage von Bischof Oster präsentiert worden
    ist, rechtzeitig vor der Herbstvollversammlung.
    Bei Papst Franziskus gibt es m.E. eine Tendenz, beratungs-
    resistent zu sein. So hat er z.B. die Neuregelung des
    katholischen Eherechts den Bischöfen einfach vor die Nase
    gesetzt, anstatt dies diskutieren zu lassen.
    Und nun haben wir den Salat, dass die Quote der fehlerhaften
    Entscheidungen infolge fehlender zweiter Instanz deutlich
    gestiegen ist und die Leute sich beschweren:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/verlust-fur-die-qualitat-der-rechtsprechung?utm_content=buffer7f8ef&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

    Es sei ein "Verlust für die Qualität der Rechtsprechung",
    schreibt da ein erfahrener Kirchenrichter,
    nachdem der Papst seine Meinung mit dem Brecheisen durch-
    gesetzt hat.

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    1. Sehe ich ganz anders.

      Der "Durchbruch" besteht nicht darin, dass fertige Lösungen vorgegeben würden. Der Papst hat nur die Grundfrage geklärt ("irregulär" heißt nicht automatisch und pauschal "objektiv sündhaft"). Der Rest klärt sich von allein.

      Die Vorlage von Bf. Oster fand ich auch brauchbar. Es gibt aber auch noch andere, etwa das alte Freiburger Modell oder das vom Papst gelobte argentinische Papier.

      Der Durchbruch besteht darin, dass die Blockierer nicht mehr stur behaupten können, das sei alles "häretisch" und sie hätten die "ewiggültige Lehre" (Kdl. Burke) gepachtet.

      Dass denen das nicht gefällt, ist doch klar.

      Dringender Handlungsbedarf besteht aber gar nicht.

      Irgendwelche praktischen Nöte gibt es im Grunde nicht mehr.
      Die einzige wirkliche praktische Not war ja, dass keine freie und ausgewogene Meinungs- und Gewissensbildung möglich war, weil offenkundig unbrauchbare Regeln als gottgegeben ausgegeben wurden. Das ist jetzt vorbei.

      Bei konkreten Nöten im Einzelfall kann bzw. muss der Beichtvater helfen und darf die Leute nicht mehr einfach zurückweisen und muss auch selber keine Gewissensbisse haben, irgendetwas Unzulässiges zu tun, wenn er Paaren entgegenkommt oder unkonventionelle Vorschläge macht.
      Das ist die eigtl. Befreiung.

      Ansonsten kann man den Hardlinern alle Zeit der Welt lassen, um sich mit der Lage peu à peu anzufreunden und vertraut zu machen.
      Wenn die Bischöfe zerstritten sind, sollen sie sich streiten, das kann der Sache ja nur gut tun. Hauptsache, die eine Fraktion kann nicht weiter alles blockieren und darauf bestehen, sie allein hätten immer schon Recht gehabt.

      Genau das wollte der Papst denke ich auch bewirken. Die sollen sich zusammenraufen und etwas halbwegs Brauchbares wird dann schon entstehen.
      Probleme damit haben nur die, die eindeutige Regeln wollen, ohne selbst etwas beizusteuern.

      Im Übrigen ist dieses im Grunde ziemlich langweilige Thema jetzt wirklich auch schon dermaßen ausgelutscht, dass eine kleine Pause in der "Wiederverheiratetendiskussion" auch keine schlechte Idee wäre.

      Deshalb sind die andauernden Nadelstiche unzufriedener Hardliner nur noch lästig. Wirklich Freunde machen sie sich damit jdfs. nicht, glaube ich.

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    2. "Genau das wollte der Papst denke ich auch bewirken. Die sollen sich zusammenraufen und etwas halbwegs Brauchbares wird dann schon entstehen."
      Ja, genau so ist es, Leser Jorge,
      es wird nur HALBWEGS brauchbar sein, da haben Sie
      vollkommen recht, und mit päpstlichen Halbwahrheiten
      ist niemandem wirklich geholfen, es sei denn,
      man lügt sich in die eigene Tasche.
      Diese bewusste Masche des Papstes - ach, macht doch
      einfach mal, das wird schon irgendwie! - ist ebenso
      unverantwortlich wie die Illusion, Priester hätten
      trotz enormer Belastung im Alltag Zeit für viele
      intensive Gespräche, bevor sie zu einer Entscheidung
      gelangen, ob jemand dann doch zur Kommunion hinzutreten
      darf oder nicht.
      Der Papst zeigt sich wieder einmal vollkommen weltfremd.

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    3. Auch das sehe ich völlig anders.

      Mess- und Gemeindepriester sind ja ganz im Ggt. völlig von diesem Problem entlastet worden und müssen eben nicht mehr entscheiden, ob sie jmd. die Kommunion geben dürfen, der oder die bekanntermaßen in einer "irregulären" Situation lebt. Den "Skandal", der sie zwingen würde, die Kommunion zu verweigern, gibt es ja nicht mehr.
      Niemand außer dem oder der "Betroffenen" selbst und ihrem Beichtiger wissen, ob die Sünde fortbesteht oder nicht.
      Von daher braucht sich auch niemand sonst mehr darum zu kümmern, einzumischen oder aufzuregen.
      Das ist für das Gemeindeleben eine deutliche Erleichterung und Vereinfachung.

      Der einzige, der wirklich als Seelsorger stärker gefordert ist und nicht mehr so einfach nach Schema F entscheiden kann wie früher, ist der Beichtpriester.
      Das hätte er aber eigtl. immer schon machen müssen (und die meisten haben es ja auch immer schon getan).

      Alles in alles ist also alles viel klarer als vorher.

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