Samstag, 11. März 2017

Bischof Oster: Kirchliche Hochzeit häufiger durch eine bloße Segensfeier ersetzen!

Der Passauer Bischof Stephan Oster hat den Vorschlag ge-
macht, angesichts der Tatsache, dass vielen Brautpaaren gar nicht mehr klar sei, was eine kirchliche Heirat bedeute, die Trauungszeremonie in Zukunft lieber öfter durch eine bloße Segensfeier zu ersetzen. Ergänzend kritisierte er die Kirche, die oft zu wenig für die bessere Vorbereitung unternehme; da ge-
nüge oft ein einziges Gespräch mit dem Pfarrer, während z.B. Kommunion-
kinder wochenlang Kurse besuchen müssten... ---> HIER und HIER!

Papst Franziskus hatte bekanntlich auch schon geäußert, dass die meisten (später von ihm korrigiert in "viele") katholischen Ehen eigentlich ungül-
tig seien, weil den Paaren die Bedeutung der Eheschließung nicht in aller Konsequenz klar gewesen sei.

Ob das, was Bischof Oster hier quasi als eine Art Befreiungsschlag andenkt, aber wirklich das Gelbe vom Ei ist? - Oder schafft es vielleicht gar neue Probleme, katholische Paare erster und zweiter Klasse?

Kommentare:

  1. Das verstehe ich nicht ganz, das wäre doch,
    wie der Kreuzknappe andeutet, die Einführung der
    katholischen Ehe in der "Light"-Variante.
    Wie darf ich mir das praktisch vorstellen?
    Leben die beiden mit allen (sexuellen) Konsequenzen
    dann nicht lehrmäßig gesehen in wilder Ehe?

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  2. Jetzt haben alle (Tradis) mal wieder eine fertige
    Meinung parat: Schmalspur-Trauung darf es nicht geben!
    Bevor man aber über Bischof Oster herfällt,
    sollte man auch an die Vorteile des vorgeschlagenen
    Verfahrens denken: Ein Priester, der befürchtet,
    da fehlten die Voraussetzungen für eine katholische
    Ehe, kann immerhin noch eine Alternative anbieten,
    vielleicht wird die Trauung dann später nachgeholt.

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  3. Kurioser Vorschlag, finde ich.
    Muss man sich aber vielleicht erstmal genauer ansehen.

    Die Ehe ist ja eine natürliche Institution.
    Solche naturrechtlichen Sachen versteht eigentlich jeder, ohne viel nachzudenken.
    Wenn die meisten Menschen nicht mehr richtig verstehen, was eine kirchliche Ehe eigtl. bedeutet, und dafür irgendwelche Kurse brauchen, heißt das m.E. nicht unbedingt, dass die Leute sich vom Glauben entfremdet haben, sondern dass an der Ideologie der Kirche irgendwas falsch ist bzw. irgendetwas den Kern der Sache verfehlt. Das muss man sich immer klar machen. Nicht die "Lehre" (Ideologie) der Kirche ist der Maßstab, sondern die Logik Gottes, und die begreift man normalerweise intuitiv ohne viel doktrinäres Vorwissen.

    Vielleicht geht ja auch Bf. Osters Gedanke in diese Richtung.
    Das wäre zu begrüßen.
    Der Papst denkt jedenfalls auf solchen eher unkonventionellen und v.a. unideologischen Bahnen. Sein wichtigster Debattenbeitrag (der die Kanonisten natürlich im Quadrat springen lässt, aber die sittliche Realität eben doch sehr gut einfängt) war der Hinweis in derselben Veranstaltung auf die vor Gott sicherlich anerkannte Gültigkeit der nicht offiziell (weder kirchlich noch staatlich) geschlossenen lateinamerikanischen Campesino-Ehen.

    http://kreuzknappe.blogspot.de/2016/06/papstwort-wegen-vieler-ungultiger-ehen.html?showComment=1466331706326#c7743785499857180196

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  4. Als das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken
    den Vorschlag machte, die Partnerschaft von
    Homosexuellen zu segnen, wurde das ZdK von den
    Bischöfen abgewatscht unter anderem mit der Bemer-
    kung, das komme wegen der Verwechslungsgefahr einer
    Segensfeier mit einer Trauung nicht in Frage.
    Nun gibt es plötzlich keine Verwechslungsgefahr mehr?

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  5. Bischof Oster hat auch gesagt, dass die katholische
    Ehevorbereitung dringend verbessert werden müsste.
    Das scheint mir der sinnvollere Ansatz zu sein:
    Verpflichtende Seminare, mindestens 12 Abende, mit
    intensiver Einzelberatung,
    dann ist der andere Vorschlag mit der Segensfeier
    vielleicht überflüssig!

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  6. Helmut Schneider11. März 2017 um 19:38

    War das nötig, Bischof Oster?
    Sie sind ein erfahrener Professor und ein
    im Umgang mit den Medien versierter Mann.
    Daher dürften Sie genau wissen, zu welcher Ver-
    wirrung und zu welchen Ärgernissen ein solcher
    in den Raum geworfener Vorschlag führt.
    Warum kann man von einem Bischof eigentlich
    nicht erwarten, was man von jedem Oberstufenschüler
    zu Recht erwartet: Wer eine Meinung zu einem um-
    strittenen Thema äußert, sollte dies ausführlich
    und gut begründet tun - und unter Berücksichtigung
    der zu erwartenden Gegenargumente.
    So haben wir es schon vor 40 Jahren im Deutsch-
    unterricht gelernt.

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  7. Die katholische Ehe ist ein Sakrament.
    Was bitte ist die befremdliche Konstruktion
    von Bischof Oster,
    der sich jetzt weinerlich beklagt, dass man
    ihn verbal attackiert.
    Wer vernünftig und gut nachvollziehbar argumentiert,
    Herr Bischof, der wird auch nicht attackiert,
    wer aber nur Sprechblasen absondert,
    wird zu Recht angegriffen.

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  8. Der Logik des Bischofs folgend gibt es
    demnächst dann auch zwei Varianten der Erst-
    kommunion,
    diejenigen, die kapiert haben, um was es bei der
    Eucharistie geht, bekommen die Kommunion aus-
    geteilt,
    die anderen bekommen bei der Erstkommunionfeier
    ein Kreuzchen auf die Stirn, wie man das gemein-
    hin bei Kleinkindern macht.
    Ich begreife es nicht: Die Bischöfe selbst,
    die Hirten, die führen sollen, sorgen für immer
    mehr Verwirrung.

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  9. Was ich dabei aber nicht verstehe: Wenn es keine Trauung gegeben hat, sondern nur eine Segnung, dürfen die dann oder dürfen sie nicht? (eh schon wissen, was)
    Wenn ja: Wozu dann noch eine Trauung? Nur mit der Segnung könnte man sich ohne Konsequenzen wieder trennen und ein neue Verbindung (mit Segnung?) eingehen.
    Wenn nein: Wozu dann die Segnung?

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  10. Das wird dann wie bei Privatpatienten
    und Kassenpatientin.
    Diejenigen, die zum heiligen Rest der treuen
    Kirche gehören, werden getraut,
    während der gemeine Pöbel mit einer Produkt-
    piraterie und warmen Worten abgespeist wird.
    Bis gestern hatte ich auf Bischof Oster ver-
    traut, heute ist er mir suspekt.

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    1. Jorge Sensenbrenner12. März 2017 um 14:47

      Diese Gefahr sehe ich auch und halte den Vorschlag von Bf. Oster für nicht besonders durchdacht. Das ist aber typisch bei Oster; er hat ein gutes Gespür für religiöse Authentizität und christliche Gotteskindschaft, aber seine praktischen Vorschläge und vor allem seine doktrinär-dogmatischen Lösungsversuche sind oft nicht richtig durchreflektiert.
      Er ist halt im Herzen kein Dogmatiker, sondern denkt charismatisch.
      Wenn er sich zu Lehr- oder Rechtsfragen äußert, kommt dann öfter seine bieder-konservative Seite zum Vorschein und er denkt das dann manchmal auch nicht richtig zuende, weil ihm die doktrinäre Logik eigtl. fremd ist. Das fiel mir schon bei seinen Positionen im Vorfeld der Familiensynode auf.

      Deshalb kann man ihm aber trotzdem durchaus vertrauen. Seine Umsetzungsrichtlinie zu Amoris laetitia finde ich auch nach wie einen gelungenen und in dem Fall auch einigermaßen durchdachten Anwendungsvorschlag.
      Auch da liegt er trotz der von manchen als "erzkonservativ" betitelten Vorbehalte letztlich eben doch genau auf der charismatischen Linie des Papstes.

      Etwas Ähnliches sehe ich auch hier, wenn man Osters Ideen mit der Rede des Papstes vom 16. Juni 2016 (wie oben verlinkt) vergleicht, wobei diese im Gegensatz zu Osters Idee überzeugender wirkt, weil der Papst da keine vorschnellen "Lösungen" oder Flickschustereien anpeilt, sondern einfach die Realität zu verstehen versucht.

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  11. Diejenigen, die sich jetzt mal wieder auf-
    regen, die regen sich auch wieder ab.
    Wir leben nun mal in eineer Zeit, in der
    man sich nicht mehr mit einem Einheitsfraß ab-
    speisen lässt, sondern jeder kann sich sein
    Wunschmenü nach Wahl zusammenstellen.
    Warum sollte die Kirche das nicht auch tun,
    schließlich hat das (Brautpaar) Segenspaar tüchtig
    Kirchensteuern bezahlt.

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