Sonntag, 12. März 2017

Professor macht ein dickes Fragezeichen zum "Versöhnungsgottesdienst" in Hildesheim...

Allgemeine Begeisterung der Polit-Prominenz sowie der evangelischen und katholischen Kirchenführung:
Hurra, wir haben in Hildesheim aus Anlass
des Reformationsjubiläums einen tollen Ver-
söhnungsgottesdienst gefeiert. Wir baten einander um Verzeihung für die Untaten der Vergangenheit und schauen nun versöhnt in die Zukunft... ---> HIER und HIER und Kurzvideo HIER !

Da platzt in den allgemeinen Jubel ein kritischer Kommentar und stört die Idylle:
Ein evangelischer Theologieprofessor erklärt im evangelischen Nachrichtendienst "idea" doch tatsächlich schon per Schlagzeile "Der Schein trügt"

Das "starke Zeichen" von "Scham und Trauer" solle die "Erinnerung heilen", doch dürfe man mal ganz nüchtern fragen, ob man tatsächlich jenseits solcher Promi-Feiern der Einheit der Christen "einen bedeutenden Schritt näher" gekommen sei.
Prof. Dr. Ulrich Körtner sieht eher "große Gesten", wie sie der Papst schon bei seinem Besuch bei den Lutheranern in Schweden demonstriert hat, doch tatsächlich würden nach wie vor viele Dinge der Evangelischen von den Katholiken nicht als "gleichwertig" anerkannt.
Sichtbarstes Zeichen dafür sei die Tatsache, dass der Versöhnungsgottes-
dienst eben nicht am Sonntag gefeiert wurde, sondern am Samstag, damit die Katholiken am Sonntag bei der Heiligen Messe schön "unter sich" blei-
ben könnten. 

Auch das feierliche Bußritual stellt der Professor in Frage, denn "im Ernst" könne doch niemand "anstelle von Tätern früherer Jahrhunderte
für begangene Schuld um Vergebung bitten"

Sein Fazit:  Ja, es gibt "atmosphärische Verbesserungen", aber in Wirk-
lichkeit gibt es in der Ökumene doch "keine substantiellen Fortschritte"...   ---> HIER !

Kommentare:

  1. Man feierte mal wieder unter sich -
    und man feierte eigentlich sich selber:
    Schaut mal, wie versöhnt wir sind...
    Der Rummel um das Reformationsjubiläum geht
    mir langsam auf den Keks!

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    1. Zustimmung!
      Wenn die kreuzversteckenden Oberbischöfe
      sich versöhnen wollen, sollen sie's tun,
      aber uns Katholiken nicht ständig auf
      die Nerven gehen!

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    2. Jorge Sensenbrenner12. März 2017 um 14:24

      Papst Benedikt war auch für die "Hermeneutik der Einheit". Ihn als "Hinterlader" zu beschimpfen, ist mit "uns Katholiken" nicht zu machen.

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    3. @XY: Wenn Ihnen das Reformationsjubilaum auf den Senkel geht, kümmern Sie sich doch einfach nicht drum! Oder bemühen Sie sich um mehr "100 Jahre Fatima" in den Medien. Das ist ja kläglich, was da bisher rüberkommt. Obwohl es immer heißt, Fatima wäre das viel bedeutendere Jubiläum als Luther. Wenn das stimmt, dann hat die Kirche bei der öffentlichen Darstellung total versagt.

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  2. Dieses ewige sich entschuldigen für das,
    was die Vorfahren aus Gründen, die wir gar nicht
    alle verstehen getan haben, ist sowieso albern.
    Wie kann ich mich für das entschuldigen,
    was beispielsweise mein Vater meiner Mutter an-
    getan hat, als er sie 1995 im Zorn einmal übel
    beschimpfte?
    Klar, das geht gar nicht, und noch viel weniger
    kann man sich entschuldigen für die Taten völlig
    Wildfremder in vergangenen Jahrhunderten.
    Wenn schon eine Entschuldigung sein soll, dann
    könnten die beiden sattsam bekannten Oberhirten sich
    für die Kreuzverleugnung in Jerusalem entschuldigen,
    das würde Sinn machen!

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    1. Herr Matthis,

      für eine sachliche Diskussion zum Thema „Schuldbekenntnis“/ „Vergebungsbitte“ „der Kirche“ möchte ich auf das sehr differenzierte Dokument „Erinnern und Versöhnen – Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit“ der katholischen Internationale Theologische Kommission aus dem Jahr 2000 verweisen:
      http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/cti_documents/rc_con_cfaith_doc_20000307_memory-reconc-itc_ge.html

      Ein paar Auszüge:

      „Diesen Akt der Vergebungsbitte kann man in seinem Sinn und Ziel nur verstehen, wenn man sich einlässt auf das Selbstverständnis der Kirche. Sie versteht sich nicht als eine von Menschen organisierte Gesellschaft. …

      Die Kirche, die in einer wirklichen und tiefen Gemeinschaft ihre Söhne und Töchter der Vergangenheit ebenso wie die der Gegenwart umfasst, ist die einzige Mutter in der Gnade, die die Lasten auch der Schuld aus der Vergangenheit auf ihre Schultern zu nehmen vermag, um das "Gedächtnis zu reinigen" und die Herzen zur Erneuerung und einem Leben nach dem Willen des Herrn zu bewegen. …

      Die Kirche gewinnt damit an Glaubwürdigkeit vor Gott und den Menschen. Sie dient der Einheit der Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionsrichtungen und Weltanschauungen, wenn sie um Vergebung bittet für das Übel, das in der Vergangenheit von Gliedern der Kirche und gerade auch von ihren Repräsentanten den Menschen anderer Gemeinschaften zugefügt worden ist. Zwar gibt es keine Kollektivschuld … Aber Verantwortung, Schuldübernahme und Bitte um Verzeihung dienen einer "Reinigung des Gedächtnisses", das Menschen und Menschengruppen auch über die Generationen miteinander verbindet oder trennt und gegeneinander aufbringt. …

      Die subjektive Verantwortlichkeit erlischt mit dem Tod ihres Akteurs. … Somit setzt die Vergebung immer die Zeitgenossenschaft zwischen Opfer und Täter voraus. Die einzige Form der Verantwortlichkeit, für die es eine geschichtliche Kontinuität gibt, ist die objektive Verantwortung, der man sich freiwillig persönlich stellen oder entziehen kann. Denn es ist eine Tatsache, dass die böse Tat wenigstens in ihren destruktiven Auswirkungen weiterwirkt, die durchaus zu einer schweren Belastung für das Gewissen und das geschichtliche Gedächtnis der Nachfahren werden können.

      In einem solchen Kontext darf die Solidarität angesprochen werden, die das Bewusstsein einer Einheit und Reziprozität von Vergangenheit und Gegenwart formiert. In gewissen Situationen kann diese Gewissensbelastung eine spezifische Weise des moralischen und religiösen Gedenkens der bösen Tat auslösen, das man seiner Natur nach gemeinsames Gedächtnis nennen kann. …

      Somit ist es möglich, von einer gemeinsamen objektiven Verantwortlichkeit zu sprechen. Von einer solchen Art von Verantwortung entlastet man sich vor allem durch die Bitte an Gott, er möge die Sünden der Vergangenheit vergeben. Dazu gehört die "Reinigung des Gedächtnisses", die im wechselseitigen Vergeben der Sünden und Beleidigungen in der Gegenwart kulminiert.“

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  3. Als Privatpersonen können sich die Herren sicherlich nicht entschuldigen. Anders sieht es aus, wenn sie sich als Vertreter ihrer Organisationen entschuldigen. Dann bittet nämlich die Organisation selbst um Vergebung. Bei den Protestanten mag es evtl. strittig sein(Rechtsnachfolge usw.), ob es dieselbe Organisation ist, wie anno dazumal, bei der Katholischen Kirche sicherlich nicht. Es bittet also der, in der Form einer für die allgemeine Vertretung beauftragten natürlichen Person (Marx bzw. B.-St.), um Vergebung, der damals auch gehandelt hat.

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  4. Der Professor kann meinen, was er will,
    er wird den Zusammenschluss der Kirchen mit
    seinem Pessimismus nicht aufhalten können.

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  5. Professoren machen eigentlich immer
    Fragezeichen, es sei denn, sie sind mit dem
    Verfassen von Memoranden gegen den Vatikan be-
    schäftigt.
    Abgesehen davon wird man für diesen einen
    mit Leichtigkeit zwei Dutzend andere seiner Kollegen
    finden, die gegenteiliger Ansicht sind.

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  6. Das war so sicher wie die weißen Handschühchen in der "Alten Messe", dass auf diesen bedeutsamen und für jeden, der ihn am Fernseher mitverfolgen konnte, bewegenden Gottesdienst in dieser Tradi-Community hier wieder nichts als Häme und Schlechreden kommen würde. Mit rühmenswerter Ausnahme der Vorposterin "Ricarda".

    Nun ja, dazu fält mir Helmut Kohl ein, der gegen das Dauerschlechtreden durch die Linkspartei gerne sagte: "Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter!"

    So auch mit der Ökumene - die lässt sich durch das Gebelle vom rechten katholischen Rand nicht aufhalten.

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