Mittwoch, 6. September 2017

Extremer Kommunionempfang: Alle spazieren nach vorne und halten die Hand auf...!

Ich habe es aus eigener Anschaung sehr präsent, weil ich auch mal für zwei, drei Jahre als Küster gearbeitet habe, und was man da alles erlebt, darüber könnte man ein Buch schreiben, bis hin zu ganz rührenden Szenen wie etwa bei einer Taufe, wo völlig Kirchen-
fremde noch nicht mal wussten, wie man die vom Organisten angezeigten Lieder im "Gotteslob" findet - aber es kam bei einem der umstehenden Gäste zu einer Art Bekehrungs-
erlebnis, bei dem er so sehr "Rotz und Wasser" geheult hat, dass er betreut werden musste, um einen Kreislaufkollaps zu vermeiden.

Wenn ich an den Kommunionempfang denke, dann erzähle ich den "praktizierenden" Katholiken, die die große Mehrheit meiner Leser aus-
machen, kaum etwas Neues: Immer wieder erlebt man eine regelrechte Prozession, Mann für Mann, Frau für Frau, Reihe für Reihe, fast alle spazieren bedenkenlos nach vorne und halten die Hand auf, wobei ich als Küster vorne saß und auftragsgemäß einen Blick auf die Kommunion-
empfänger haben sollte; es ist nämlich mehrfach passiert, dass die Hostie in Unkenntnis ihrer sofortigen "Verwendung" in die Hosentasche wanderte - und da gab es Anweisung, dezent einzuschreiten.

Doch kehren wir zum Grundproblem zurück, statt ins Plaudern zu geraten: In der langen Geschichte der Kirche gibt es, wie wir wissen, immer auch einige extreme Pendelbewegungen: Auf der einen Seite etwa die mit-
telalterliche Kommunion-Ängstlichkeit, den Leib Christi unwürdig zu emp-
fangen, und heute der gesellige Spaziergang so gut wie aller Gottesdienst-
teilnehmer zum allgemeinen Kommunionempfang. 
Ich will nicht über andere urteilen, das steht mir nicht zu. Aber der Ver-
dacht ist sicher nicht unbegründet, dass z.B. von einer gründlichen inneren Vorbereitung auf dem Empfang des Leibes Christi bei manchen nicht wirk-
lich die Rede sein kann.
Man geht halt mit, weil die ganze Bankreihe geschlossen zum Mittelgang strebt. Und gebeichtet hat man, ach, lass mal überlegen, vermutlich so etwa vor 10 Jahren. Oder ist es noch länger her...?
- Es wäre sicher nicht falsch, wenn man sich in den Pfarrgemeinden auch solcher Themen wie dem würdigen Eucharistieempfang annehmen würde. Oder will man die Gottesdienstbesucher nicht vergraulen und schweigt lieber?
Es muss nicht immer gleich der Eucharistieempfang sein; da gibt es eine ganze Reihe von "eucharistischen Wegen" ---> HIER
.
Das obige Foto ist nicht sonderlich gelungen; da kommt kein schwarzer Strahl aus der Hostienschale, sondern das ist das Mikrofon... 

Kommentare:

  1. Jorge Sensenbrenner6. September 2017 um 18:17

    Dieses Dauerthema mancher Frommtuer ist ziemlich öde, aber noch öder ist die Denkweise dahinter.

    Damit entlarven sich eigentlich nur die Hyperfrommen selber, weil sie missgünstig krittelnd auf andere schielen, statt sich an die eigene Nase zu packen.

    Wer fromm zur Kommunion geht und dabei ein Unbehagen spürt, weil der Banknachbar kirchenfern und unvorbereitet wirkt und dennoch "die Hand aufhält", müsste dieses Unbehagen als die wirkliche Sünde und Fehldisposition erkennen und dann ggf. lieber selbst sitzenbleiben, bis er andere Menschen wieder mit der Brille Jesu anschauen kann. Da liegt der Hund begraben, die Missgunst.

    Wenn du einen unvorbereitet zur Kommunion schlurfen siehst, solltest du dich freuen und Gott danken, dass auch so ein Typ das darf, und dir gleichzeitig vergegenwärtigen, dass du selber um keinen Deut besser bist. Das ist die geforderte Disposition. Wer das nicht kann, sitzen bleiben, das schadet nichts. Über andere grollend zur Kommunion gehen ist das einzige, was wirklich zum Gerichtessen führt. Jesus ist da ja sehr klar und empfiehlt in solchen Fällen sogar ausdrücklich, liturgische Ablaufstörungen in Kauf zu nehmen (also in unserem Fall die Prozession wieder zu verlassen oder aus der Kirche zu gehen, bis man sich gefasst hat und wieder positiv gestimmt ist).

    Frömmelndes Herabsehen auf andere geht Jesus zufolge jdfs. gar nicht und schließt automatisch vom fruchtbaren Sakramentenempfang aus, während der so mit dem bösen Auge "Beäugte" vermutlich doppelt getröstet wird.

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    1. Ich möchte Ihnen gerne recht geben, daß die von Ihnen beschrieben Position des "Frömmelnden" eine Form des Hochmutes sein kann, die den solchermaßen Denkenden in den Status eines Sünders versetzt, der sich über seine eigene Würdigkeit zum Kommunionempfang ernste Gedanken machen sollte.
      Andererseits: Ist es nicht auch eine Form des Hochmutes, sich über die "Spielregeln" hinwegzusetzen und dann noch zu behaupten, dies entspreche mehr dem Willen des Herrn?

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    2. Bravo!
      So muss man mit diesen Tradi-Heuchlern umgehen!
      Soll doch jeder selber entscheiden,
      da hat keiner was reinzureden, weder Priester noch
      Papst und schon gar kein Sitznachbar!

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    3. Wenn Sie mit Ihrem Applaus und der anschließenden Bemerkung mir sekundieren wollen, dann habe Sie mich nicht verstanden! Ich habe mit dieser meiner Bemerkung nicht den "Tradi-Heuchlern" (Sie sollten - wenn Sie sich als Christ verstehen und erst recht als angeblich "Aufgeklärter" - mal dringend mit dem Abbau Ihrer Vorurteile beginnen) in die Kniekehle getreten, sondern denen, die den "Tradis" Hochmut vorwerfen und dabei gar nicht bemerken, wie sie sich selbst in aller mangelnden Demut in die, den anderen unterstellten und angelasteten Fehlhaltungen begegeben

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  2. Gut geschildert, so erlebe ich das auch immer wieder.
    Vielleicht denken viele, das habe ich ja schließlich mit
    meiner Kirchensteuer bezahlt, alles inklusive.

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  3. Unser Pfarrer sagt, er dürfe keinen zurückweisen,
    das müsse jeder mit seinem Gewissen ausmachen.
    Ich würde gerne mal sein Gesicht sehen, wenn irgendwann
    mal ein Homo-Pärchen händchenhaltend nach vorne kommt!

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  4. Im kleinen Katechismus ist alles erklärt.
    Keine Ausreden mehr!
    http://www.kleiner-katechismus.de/3h2c3.html

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  5. Wenn der Emp­fän­ger, mit schwe­rer Sünde belas­tet,
    die hei­lige Kom­mu­nion emp­fängt, dann begeht er eine schwere Sünde, eine wei­tere schwere Sünde.
    In der alten Kir­che rief der Dia­kon vor der Kom­mu­nionaus­tei­lung: „Das Hei­lige den Hei­li­gen!“ Damit wurde ange­deu­tet, daß eben nicht ein jeder hin­zu­tre­ten solle, son­dern nur, wer frei von schwe­rer Sünde ist.
    Wer hat den Mut - oder die Frechheit - zu behaupten,
    dass die alte Kirche, die ersten Christen nicht recht hatten,
    sondern die heutigen Ich-hol-mir-einen-Keks-Kirchgänger?

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  6. Das wird immer doller. Die Tradis, die natürlich frei von schwerer Sünde sind und im Unterschied zu den anderen guten Gewissens die Hl. Kommunion empfangen, sind also Heilige...

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  7. Wenn schon die Vorsicht im Mittelalter und die Strenge
    bei den Urchristen unsere Konsum-Katholiken nicht überzeugt,
    dann vielleicht ein Blick auf das Leben vieler Heiliger,
    bei denen die besondere Ehrfurcht vor der hl. Eucharistie
    auffallend ins Auge springt.
    Dass Leser wie JORGE SENSENBRENNER immer gleich unter die
    Gürtellinie zielen müssen, ist wohl dem Mangel an Argumenten
    zu verdanken, was durch Polemik ausgeglichen werden soll.
    Woher nehmen Sie eigentlich das Recht,
    Leser als "FROMMTUER" zu diffamieren?
    Sind Sie Hellseher von Beruf und kennen den Lebenswandel
    frommer Katholiken ganz genau?
    Schade, denn eigentlich finde ich den lebendigen Austausch
    in diesem Blog immer sehr anregend.

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    1. Lassen Sie ihn doch! Nichstdestotrotz kann man sich ja auch so angeregt austauschen ... Mal antworte ich ihm, mal halte ich es mit Helmut Schmidt: am besten noch nicht einmal ignorieren!

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    2. Über niemand anderen darf man seine verbalen Entgleisungen so ungestraft und unter jubelndem Applaus des Publikums in die Landschaft kübeln wie über fromme Katholiken oder Tradis! Das fängt in der Kirchenspitze an und endet bei der letzten subalternen Pfarrsekretariatsgehilfin!!!

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    3. Jorge Sensenbrenner7. September 2017 um 00:07

      @Theodora, das ist doch einfach zu beantworten.
      Echte Frömmigkeit kann es ja wohl nicht sein.

      Sich in Punkto Kommunion über das Verhalten *anderer* zu mokieren, statt zu zu begreifen, dass man selber in genau derselben Lage ist wie der "unmögliche" andere, ist pure Frömmelei.
      Von Jesus wird das doch viel schärfer denunziert, als ich das hier tue. Das ist der Kern des ganzen Evangeliums, da gibt es aus christlicher Sicht überhaupt keinen Kompromiss. Entweder du freust dich für den anderen, dass der auch gehen darf, obwohl er in deinen Augen so "unmöglich" wirkt, oder du bleibst sitzen und wartest ab, bis die missgünstige Laune wieder verfliegt. Alles andere wäre Gericht essen.

      Das gilt ja auch nicht nur für Tradis.
      Es gibt ja auch Leute, die hämisch grinsen, wenn jmd. kniende Mundkommunion empfängt oder Ähnliches.
      Da gilt genau dasselbe. Missgunst ist immer schlecht. Dafür muss man kein Hellseher sein, sondern bloß das Evangelium lesen.

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    4. Jorge, Ihr Trick funktioniert nicht!
      Es geht nicht um irgendwelche bösen Blicke,
      sondern um Fakten.
      Wer sich im Zustand einer schweren Sünde befindet,
      darf nicht zur Eucharistie hinzutreten, so der KKK.
      Abgesehen davon ist die kirchliche Tradition
      auch klar: Im Urchristentum verkündete ein Diakon
      in der Hl. Messe vor der Kommunion "Das Heilige
      den Heiligen!" - und wer nicht würdig war, blieb zurück.

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    5. Jorge Sensenbrenner7. September 2017 um 12:32

      Nein, es ging hier weder um den Zustand schwerer Sünde, der selbstverständlich misslich ist und vom Hinzutreten zur Kommunion ausschließt, noch um das Kirchenrecht oder gar den Katechismus.

      Es ging nur darum, dass sich manche offenbar beim Kommuniongang Gedanken über die vermuteten schweren Sünden anderer Leute (nicht ihrer eigenen) machen, wie die Argumentation des Knappen belegt. Und das ist dann selbst wieder ein so schwere Haltungsmangel, dass man nach Jesu Worten lieber nach Hause gehen soll, bevor man in so einem Zustand opfert.

      Bei der Frage der Disposition zum Hinzutreten geht es immer nur um die eigenen Sünden, nicht um die hypothetischen Sünden anderer Leute. Sich über die möglichen Sünden anderer Leute Gedanken zu machen statt über die eigenen, nennt Jesus "ein böses Auge" haben. Das sind doch Basics.

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    6. @Theodora:
      Sie haben völlig Recht: "Wer sich im Zustand einer schweren Sünde befindet, darf nicht zur Eucharistie hinzutreten, so der KKK."

      Eben dies ist stets Anlaß zur Gewissenserforschung - des eigenen, wohlgemerkt. Das meint der KKK. Davon, dass man die Gewissen der anderen erforschen soll, steht im KKK nichts. Das wäre nämlich nicht christlich. Ich habe mehr als genug zu tun, mir ehrlich zu überlegen, ob ich jeweils für den Empfang der Hl. Kommunion "disponiert" bin. Wie das bei den anderen ist, geht mich erstens nichts an und ist zweitens deren persönliche Gewissenssache.

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