Freitag, 13. Oktober 2017

Verdunkelungsgefahr! - Liturgiewissenschaftler Prof. Gerhards contra Papst em. Benedikt XVI.

Vergangene Woche Mittwoch konnte man davon als Aufreger lesen, obwohl der Text schon seit Monaten bekannt war, aber offenbar unbeachtet blieb:
Im Vorwort zur russischen Ausgabe seiner Werke zur Liturgie hat sich Papst em. Benedikt kritisch über die moderne Liturgie geäußert, es bestehe die Gefahr einer "Verdunkelung Gottes", wenn menschliche Aktivitäten und Kreativität in den Mittelpunkt der Gottesdienstgestaltung gerückt würden. ---> HIER !

Nun ist dieser Kritikpunkt wahrlich nichts Neues; fast jede(r) von uns hat schon solche Gottesdienste erlebt, die zu Theater-ähnlichen Selbstdar-
stellungsveranstaltungen verkommen sind, bei denen diverse Grüppchen irgendwas darbieten, und sei es auch noch so banal.
Praktischerweise wird z.B. von manchem Pfarrer angesichts der anstehen-
den "Zählsonntage" bezüglich Anzahl der Gottesdienstteilnehmer gerne so allerlei ins Programm eingebaut, damit z.B. die Eltern und Anverwand-
ten von Kindern, die etwas vorführen, den Kirchenraum füllen mögen.
Nun muss man bei der Zitierung von Papst Benedikt in den Medien beachten, dass wir das betreffende Vorwort gar nicht kennen; da wurde lediglich steinbruchartig etwas herausgerissen, was für die Medien als geeignetes Futter erschien.

Und ebenso flach finde ich, wenn nun im Nachgang ein durchaus guter Liturgiewissenschaftler medial gegen Papst Benedikt ausgespielt wird, indem dieser mit dem Hinweis zitiert wird, das sei ein völlig falsches Entweder-Oder-Denken. ---> HIER !
Darunter leidet generell unsere mediale Diskussion (ich muss mich da einschließen): Es wird ein Aufreger groß aufgepumpt, und die Debatte stürzt sich anschließend mit den längst allseits abgenutzten Schlagworten darauf, und das war's dann auch schon wieder. 

Dass es bei der Frage nach der würdigen Feier der Liturgie um viel mehr geht als ein Entweder-Oder, das ist eigentlich jedem Katholiken und Professor klar. Aber der Professor kann letztlich ebenso wie der emeritierte Papst auch nichts dafür, dass er den Gesetzen der Medienwelt zum Opfer gefallen ist - oder doch?!
Für diejenigen, die es ein kleines bisschen genauer betrachten wollen,
hier ein paar Nachdenklichkeiten ---> HIER und HIER und HIER
und HIER !

Kommentare:

  1. Journalismus ist zur Schlagwort-Berichterstattung
    verkommen; das liegt allerdings auch daran, dass man meint,
    den Lesern längere Texte und Erklärungen nicht mehr vermitteln
    zu können.
    Ein Schlagwort als "eye catcher" muss im Zeitalter von
    Twitter reichen. Ein Kollege sagte einmal ganz treffend:
    "Wir produzieren Hysterie, denn das verkauft sich."

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  2. Nobody is perfect, und da lassen sich sicher auch bei Papst
    Benedikt ein paar Argumentationsschwächen feststellen.
    Insgesamt ist er aber ein hervorragender theologischer Denker,
    und das weltweit unumstritten.
    Da kann ihm Papst Franziskus bei weitem nicht das Wasser
    reichen, der gerade im liturgischen Bereich einen eher
    unbeholfenen, burschikosen Eindruck macht.
    Ein "Entweder-oder" kann ich bei den Texten nicht fest-
    stellen, wohl aber ein Sich stemmen gegen den liturgischen
    und theologischen Relativismus unserer Zeit,
    und damit ist er natürlich Professoren ein Dorn im Auge,
    die es ihm übel nehmen, dass Benedikt der sogenannten
    "Alten Messe" wieder eine faire Chance gegeben hat,
    die man doch so gerne abserviert hätte.

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  3. Es dürfte wohl eher so sein, dass unsere linkskatholischen
    Kirchenjournalisten es keinesfalls zulassen konnten, dass
    die berechtigte Kritik von Papst Benedikt einfach so im
    Internet stehen bleibt.
    Also hat man sich umgeschaut und fand tatsächlich jemanden,
    der bereit war, diesem ans Bein zu pinkeln.
    Bei Professoren gibt es immer wieder solche, die gerne mal
    wieder in der Zeitung stehen wollen.
    Inhaltlich ist an dem Vorwurf des Professors ja nichts Neues
    zu entdecken; das hat er vor zehn Jahren schon so gesagt.

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  4. Eine unergiebige Diskussion, weil sowohl die "Alte" wie auch
    die "neue" Messe Gott verdunkeln können. Ich habe noch die
    "stille Messe" erlebt, und zwar in Rom im Petersdom in den
    zahlreichen Seitenkapellen. Die wurden heruntergerattert
    und waren in 25 Minuten zu Ende.
    Bei der "neuen" Messe ist durch den Aktionismus die Gefahr
    rein statistisch wahrscheinlich größer, dass Gott zur
    Nebensache und menschliche "Beiträge" aller Art zur Haupt-
    sache werden.
    Das Runterleiern funktioniert allerdings auch da prächtig;
    ich stehe noch unter der Schock-Einwirkung einer Hl. Messe
    am vergangenen Sonntag, die ich anlässlich eines Verwandten-
    besuches in der Nähe von Koblenz erlitten habe; der Pfarrer
    hat es tatsächlich fertiggebracht, unter Auslassung von
    Teilen des Hochgebetes und anderer Kürzungen in genau 32
    Minuten mit der nicht ganz so heiligen Messe fertig zu sein.

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    1. Aber das wollen unsere Tradis doch - je kürzer und schneller die Messe, desto besser. Denn das heißt, dass keine Predigt stattfindet, die die Tradis als Folge des Konzils ja eh nicht mögen.
      Je mehr leiern, je mehr runterrattern, je mehr Latein, das keiner versteht, desto würdiger, frömmer, ehrfürchtiger...
      Und vor allem: je mehr Messen pro Tag, desto katholischer. :-)

      Ein gewisser Joseph Ratzinger hat dieses Elend, als er noch junger Professor war, mal in einer kleinen Schrift unter dem Titel "Das eine Opfer und die vielen Messen" analysiert.

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    2. Der Ochsensepp zeigt, dass er noch nie
      im Leben Kontakt mit "Tradis" hatte, sonst würde er
      so einen Unsinn nicht schreiben.
      Besuchen Sie mal eine "Alte" Messe - unter 60 Minuten
      geht da gar nichts!

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  5. Das Vorwort war seit Monaten bekannt,
    eine italienische Zeitung schrieb darüber.
    Seltsam, dass es ausgerechnet jetzt von den Medien
    hervorgekramt wird.
    Das dürfte damit zusammenhängen, dass man der Kirche
    derzeit größere Konflikte mit und um Papst Franziskus
    andichtet.

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