Mittwoch, 20. Dezember 2017

Ist Josef schon abgehauen? - Evangelische Weihnachtskarte zeigt Maria mit Jesus im Müllauto!

Wenn man heutzutage als Kirchenvertreter etwas auf sich hält, dann ist man verpflichtet, den Gläubigen - und den Empfängern seiner Weihnachtsgrüße - zu zeigen, wie zeitgeistig und politisch korrekt man doch ist.
Eine Provokation mit einer Krippendarstel-
lung muss es da schon mindestens sein, sonst gilt man als Spießer und Frömmling.
Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig hat sich folgerichtig für ei-
ne verschickte Weihnachtskarte entschieden, die Maria und das Jesuskind zeigt - hinten im Abfall eines stinkenden Müllautos sitzend. - Der heilige Josef hat offenbar schon wortkarg, wie man ihn kennt, den Unrat verlassen, um nach einer alternativen Unterbringung zu suchen, denn so eine Mitfahrt auf einem Müllauto, bei dem an jedem Haus noch Abfall zugeladen wird, ist nicht zu empfehlen, zumal die Gottesmutter und der Heiland mit neu hinzugekom-
men Müll zugeworfen werden dürften; sie müssen auch aufpassen, dass sie nicht in die Presse des Fahrzeuges geraten, das den Müll verdichtet...

Aber lassen wir das; schauen Sie einfach ---> HIER und HIER !
Ich warte nun auf nächstes Jahr, da könnte es dann Maria und Jesuskind in einem Bordell geben, um auf die schlimme Situation von Zwangsprostituierten hinzuweisen, ferner eine Weihnachtskarte mit
der heiligen Familie in einem großen Hühnerstall, um endlich auch die Massentierhaltung zu thematisieren. Nicht zu vergessen auch Maria, Josef und Jesus auf einem Weihnachtsmarkt in der Auslage einer Bude sitzend, auf die gerade ein Terror-LKW zusaust...
Was für ein reiches Feld für neue Ideen. Danke, ihr Kirchen-Manager...!
Und hier noch ein paar krippale Zugaben zum Staunen ---> HIER
und HIER und HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Jetzt wird hier sicher mal wieder das gewohnte Evangelenklatschen anbrechen.
    Dabei ist theologisch an einer solchen Darstellung nichts zu beanstanden. Es sind reine Gefühls-"Argumente", die man dagegen vorbringen kann.

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  2. Wie lautete nochmal die Weihnachtsbotschaft?
    Jesus, der erste Müllmann?
    Oder vielleicht doch GOTT IST FÜR UNS MENSCH GEWORDEN !

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  3. Ich stelle fest, für den werten Klempner ist der Herr also nicht für schmutzige Müllmänner zur Welt gekommen und gestorben. Sind Müllmänner keine MENSCHEN?

    Bloss nicht die bürgerliche "Weihnachtsruhe" durch so hässliche Müllmänner stören lassen, gell?
    Ich werde brav beantragen, dass ein Müllmann, falls der sich in Arbeitskleidung in unsere Christmette verirrt, wegen Blasphemie rausgeworfen wird.

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  4. Wie recht der "Klempner" doch hat!
    Das Jesuskind wurde von Hirten und von den drei Weisen
    verehrt, sie brachten ihm Geschenke.
    Hier landet es dagegen sprichwörtlich im Müll.
    Das lässt tief blicken!

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    1. Die armselige, schäbige Futterkrippe ohne festes, warmes Dach über dem Kopf ist das "Zeichen", dass Gott in Jesus in den ganzen Unflat und "Müll" dieser Welt hinein gegangen ist. "...und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden (...) und in einer Krippe liegen".

      Wer das bestreitet, und die Krippe in einem einem bürgerlichen Wellness-Glanz hantasiert, bestreitet Weihnachten. Wer nicht akzeptiert, dass, theologisch gesprochen, über dem Holz der Krippe bereits das Holz des Kreuzes (in dem sich aller Müll und Dreck dieser Welt fokussiert) aufscheint, der sieht Weihnachten wohl bloss als rühriges Familienfest.

      Man sieht an dieser Debatte, wie sehr jedenfalls hierzulande der christliche Kern von Weihnachten durch bürgerliche Befindlichkeiten, Gebräuche und Konventionen übertüncht ist.

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    2. Bravo, Herr Pfarrer, für diesen Kommentar.
      Das Treffendste, was ich dieses Jahr zu Weihnachten gelesen habe.

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    3. Vor allem, Herr Pfarrer, ist Jesus bewusst nicht
      in einen Haushalt eines Priesters hineingeboren worden,
      nicht in ein gutsituiertes Haus in Jerusalem,
      und die ersten, die vor ihm niederknieten, waren nicht
      die Religionsbeamten, sondern Außenseiter der Gesell-
      schaft und kluge Leute aus dem Ausland.
      Demzufolge sollten die Pfarrer heute sehr zurückhaltend sein...
      http://www.jesus.ch/themen/glaube/glaube/179268-warum_kam_jesus_so_zur_welt.html

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    4. Herr Pfarrer, Ihr Beitrag ist eine Bereicherung
      hier im Blog, lassen Sie sich vom manchmal harten
      Umgangston bitte nicht verdrießen, das ist im
      Internet leider so.
      Allerdings sollte man fairerweise auch sagen,
      dass garnicht sicher ist, ob Jesus überhaupt in
      einem Stall in Bethlehem geboren wurde.

      http://www.mittelbayerische.de/region/neumarkt-nachrichten/warum-jesus-nicht-in-bethlehem-geboren-wurde-21102-art856173.html

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    5. Diese von Dr. Boer verlinkte Zsfg. der Ergebnisse der historischen Jesusforschung in der MBZ ist allerdings aus wiss. Sicht ziemlich grottig.
      Das muss nicht an der Referentin Friederike Rappel liegen, mglw. wurde ihr Referat auch einfach schlecht wiedergegeben.

      Grundsätzlich finde ich den Ansatz sowieso unglücklich, den Leuten in volksaufklärerischem Duktus zu erklären, die historische Jesusforschung habe erbracht, dass das mit Jesus alles ganz anders war als in den Evangelien dargestellt. In guten Teilen stimmt das natürlich schon, andererseits "wissen" wir eben auch vieles nur rudimentär und dürfen dann schon auch annehmen, dass die Schilderungen der Evv. die Botschaft und den Lebensweg Jesu in ihren wesentlichen Aspekten ganz gut abbilden, auf ihre Art jdfs.

      Auch wenn der Geburtsort Jesu eher nicht Bethlehem und die Stallgeschichte legendär ist, ändert das nichts an der Richtigkeit der Botschaft dieser Karte, wie Pfr. Strauß ganz richtig sagt: "Weihnachten, so sagt die Karte, ist viel mehr als ein rührseliges Familienfest für Wohlstandsbürger."

      Wohlstandsbürger lebten ja auch historisch eher nicht in Nazareth, sondern ein paar Kilometer weiter in Sepphoris. Für die evangelische Option für die Armen und Abgeschobenen bleibt die Weihnachtsgeschichte deshalb ein tolles Zeugnis.

      Literaturempfehlung für die, die sich wirklich für historische Jesusforschung und Weihnachtstheologie interessieren, wäre der 2013 von Thomas Söding als Herder-Taschenbuch hrsgg. Band Zu Bethlehem geboren?, wo sich katholische und evangelische Autoren mit dem letzten Band der Jesus-Trilogie von J. Ratzinger befassen.

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  5. Aus theologischer Sicht muss man im Blick auf das "Leben Jesu" sagen: Erst war das Kreuz, dann die Krippe. Das Kreuz auf Golgatha, aus antiken Quellen gut belegt, war blutige Realität. Die Geburtsgeschichte von Bethlehem dagegen ist eine Legende. Kein historischer Bericht, sondern eine wunderhafte - aber eben auch: wunderbare - Erzählung vom dem, was der Engel eine „große Freude“ nennt. Die zauberhafte Erzählung vom offenen Himmel überm Hirtenfeld antwortet auf die Frage der ersten Christen: Woher kam eigentlich, der unser Leben so auf den Kopf gestellt hat?

    Also zielt die Weihnachtsgeschichte nicht auf fotografierbare Ereignisse, sondern auf eine Wahrheit in den Bildern. Die Hirten in der Nacht, Maria und Josef ohne Herberge, Gottes Kind im Elend einer Futterkrippe, die Botschaft der Engel und die sie umleuchtende Herrlichkeit Gottes: das alles ist Zeichensprache. Und alle diese Zeichen besagen: Große Freude für die, die sie brauchen! Am meisten brauchen sie die, die sie am wenigsten für möglich halten. Diese legendarische Weihnachtsgeschichte ist überhaupt nicht am Elend der Welt vorbei erzählt. Bei der lakonischen Aussage „Sie hatten keinen Raum in der Herberge“ schließt sich der garstige Graben von 2000 Jahren ja ganz schnell.

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