Mittwoch, 31. Januar 2018

Vatikan-Gerüchte: Wird ein Exkommunizierter bald katholischer Bischof in China?

Die Gerüchte und Vermutungen kochen hoch zum Thema Vatikan und China. Gestern schrieb ich schon über den Vorwurf, der Vatikan wolle treue Bischöfe entfernen und dafür chinesi-
sche staatstreue Bischöfe einsetzen  ---> HIER !

Nun tobt die Schlacht der Meinungsbildner, und dabei wird auch - von mir nicht recherchierbar - ins Feld geführt, einer der jetzt ins Spiel gebrachten Bischofskandidaten sei sowieso exkommuniziert. Es wird immer mysteriöser!
Man schaue ---> HIER und HIER und HIER und HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Es bestätigt sich mal wieder:
    Im Vatikan weiß die eine Hand nicht, was die andere tut.
    Und Papst Franziskus hat natürlich nichts davon gewusst.

    AntwortenLöschen
  2. Um die Diktatur in China kümmern sie sich einen feuchten Dreck, mit ihren Huawei-Handys. Aber wenn's darum geht, dem verhassten Papst wieder ans Bein zu pinkeln, dann entdecken unsere Rechtskatholiken ihre "Distanz" zum Regime in China. Abstoßend.

    AntwortenLöschen
  3. Kommentar Teil 1:

    Also, „mysteriös“ finde ich das weniger, eher „kompliziert“.

    Zunächst mal zieht jede Bischofsweihe ohne päpstliche Erlaubnis automatisch die Exkommunikation nach sich, für den Geweihten, den Weihenden bzw. die Mitkonsekratoren.

    Die Lage ist China ist äußerst kompliziert: Da gibt es die „offizielle“, staatsnahe katholische Kirche („open church“, mitsamt der patriotischen katholischen Vereinigung) und die „Untergrundkirche“ („underground church“) – Erstere auch als „registrierte“, Zweitere als„nicht registrierte“ Kirche bezeichnet. Die Bischöfe der nicht registrierten („Untergrund“-)Kirche sind allesamt mit päpstlicher Erlaubnis geweiht.

    Bei den „offiziellen“ Bischöfen ist die Lage sehr komplex:

    - Ein Teil wurde nur mit staatlicher, ohne päpstliche Genehmigung geweiht, deshalb kirchenrechtlich gültig, aber unerlaubt/unrechtmäßig; automatische Folge: Exkommunikation
    - Allerdings: Viele dieser Bischöfe haben im Nachhinein dann doch die päpstliche Genehmigung/Anerkennung ihrer Weihe erhalten
    - Ein anderer Teil der „offiziellen“ Bischöfe wurde von vorneherein (!) mit staatlicher UND päpstlicher Erlaubnis geweiht, die Weihe ist also von vorneherein aus kirchenrechtlicher Sicht legitim

    Letztere beiden Entwicklungen hängen wesentlich auch mit der besonders von ca. 2000 und 2005 herrschenden Tauwetterperiode zwischen registrierter und nicht registrierter Kirche bzw. zwischen Peking und Vatikan zusammen. 2006 sagte der ehemalige Hongkonger Kardinal Zen, rund 85 Prozent der Bischöfe der „offiziellen“ katholischen Kirche in China hätten eine Anerkennung seitens Rom gesucht und gefunden. Zudem wurden 2005 und 2006 fünf jüngere Bischöfe der „offiziellen“, staatsnahen Kirche sowohl mit Erlaubnis des Papstes als auch der Regierung geweiht.

    Es kam dann aber wieder eine Abkühlung: Z. B. wurden 2006 drei weitere „offizielle“ Bischöfe ohne päpstliche Erlaubnis geweiht, 2010 ebenfalls eine unerlaubte Weihe, 2011 drei unerlaubte Weihen, 2012 eine römischerseits unerlaubte Weihe (diese aber durch vom Staat und von Rom anerkannte Bischöfe!), 2012 eine weitere unerlaubte Weihe, die mit einem Eklat endete, als der neugeweihte Bischof seinen Austritt aus der patriotischen Vereinigung erklärte, zudem Ende 2011 und April 2012 zwei vom Papst genehmigte Bischofsweihen der „offiziellen“ Kirche, allerdings nahmen an den Zeremonien auch von Rom nicht anerkannte Bischöfe teil. Zumindest für die unerlaubten Weihen von 2011 veröffentlichte der Vatikan bezüglich der (automatisch eingetretenen Exkommunikation) auf Wunsch von chinesischen Gläubigen hin eine ausdrückliche öffentliche Exkommunikations-Erklärung. Was für ein Durcheinander!

    Unter Franziskus wurde der Dialog fortgesetzt, bis zu dem hin, was aktuell gemeldet wird.

    AntwortenLöschen
  4. Kommentar Teil 2:

    (Kleine Korrektur: Die vatikanische Erklärung von (Juni) 2011 bezog sich auf die unerlaubte Bischofsweihe aus 2010, hatte aber zugleich die Ankündigung der chinesischen Regierung im Blick, dass weitere Bischofsweihen ohne römische Erlaubnis erfolgen würden. Außerdem hat der Vatikan im Juli 2011 in einer Mitteilung die Exkommunikation des 2011 unerlaubt geweihten Joseph Huang Bingzhang (siehe im Folgenden) öffentlich gemacht, den der Vatikan mehrfach zum Verzicht auf die Bischofsweihe aufgefordert hatte.)

    Was möchte der Vatikan aktuell den Gerüchten nach?

    Der hochbetagte „inoffizielle“ „Untergrund“-Bischof von Shantou, Peter Zhuang Jianjian, soll durch den 2011 ohne päpstliche Erlaubnis geweihten, sprich: bislang exkommunizierten „offiziellen“ Bischof jener Gegend, Joseph Huang Bingzhang, abgelöst werden, der bzw. dessen Weihe vom Papst dann anerkannt würde.

    Zudem soll Joseph Guo Xijin, „inoffizieller“ („Untergrund-)Bischof von Mindong, künftig (nur noch) als Weihbischof den „offiziellen“ Bischof von Mindong, Vincent Zhan Silu, unterstützen. Letzterer (2000 unerlaubt zum Bischof geweiht , sprich: bislang exkommuniziert, würde dann vom Papst anerkannt werden) äußerte 2006, er unterstütze den Heiligen Vater und sei zuversichtlich, dass der Heilige Stuhl ihn allmählich akzeptieren werde, und er suche den Dialog mit der „Untergrundkirche“.

    Außerdem will der Vatikan angeblich in fünf weiteren chinesischen Bistümern, in denen es allerdings keine konkurrierenden „Untergrund“-Bischöfe gibt, die dortigen ohne päpstliche Genehmigung geweihten, bislang also exkommunizierten „offiziellen“ Bischöfe kirchenrechtlich anerkennen

    Im Gegenzug soll China rund 20 vom Vatikan nominierte Bischofskandidaten für die „offizielle“ Kirche billigen.

    Ferner wird erwartet, dass die chinesische Regierung etwa 40 „Untergrund“-Bischöfe anerkennt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Super, danke für die Details!!

      Löschen
    2. @Jorge

      Aber gern, auch wenn natürlich noch ´ne Menge fehlt, nur dann wäre es (noch mehr ;-) ) ausgeufert. Wen speziell die vatikanischen (schriftlichen) Reaktionen interessieren, für den ergänze ich die oben eher bescheidenen diesbezüglichen Details, damit es endgültig ausufert ;-) ):

      Auf die von Rom nicht genehmigte Bischofsweihe (Joseph Guo Jincai in Chengde) am 20.11.2010 reagierte der Vatikan zunächst am 24.11.10 mit einer Erklärung:

      https://de.zenit.org/articles/china-bischofsweihe-von-joseph-guo-jincai-enttauscht-papst-benedikt-xvi/

      und dann noch einmal Mitte Juni 2011 mit einer ausführlichen Stellungnahme als Antwort „auf die Frage von Gläubigen“:

      //https://www.katholisches.info/2011/06/exkommunikation-regimehoriger-bischofe-chinas/

      Außerdem hat sich der Vatikan in einer Verlautbarung vom 4. Juli 2011 zur unerlaubten Weihe von Paul Lei Shiyin am 29. Juni 2011 und in einer weiteren Stellungnahme vom 16. Juli 2011 zur unerlaubten Weihe von Joseph Huang Bingzhang am 14. Juli 2011 geäußert.

      Darüber hinaus gab es konkret im Blick auf die Weihe vom 29. Juni 2011 am 12. Juli 2011 noch eine ausführliche vatikanische Stellungnahme als Antwort auf Fragen von Gläubigen, vergleichbar der von Mitte Juni 2011.

      Diese letzten drei Statements (incl. Reaktion der chinesischen Regierung) sind hier einzusehen:

      http://www.china-zentrum.de/fileadmin/downloads/china-heute/2011/China_heute_171_Dokumentation.pdf

      Im ausführlichen vatikanischen Statement wird (ab S. 162) auch der kanonisch Status der unerlaubt geweihten Bischöfe erläutert, z. B., dass eine mögliche Aufhebung der Exkommunikation klar getrennt zu sehen ist von der erforderlichen Übertragung des Bischofsamtes seitens des Papstes (also der päpstlichen Anerkennung der unerlaubt erfolgten Bischofsweihe, was dann die bis dahin fehlende Rechtmäßigkeit der ja gültigen Bischofsweihe bedeutet).

      Und zum Schluss: Der erwähnte hochbetagte Peter Zhuang Jianjian, um dessen Ablösung es ja aktuell geht, wurde 2006 nur mit Zustimmung des Heiligen Stuhles geheim zum Bischof geweiht, die chinesische Regierung erkennt ihn nicht an. 2006 war – vgl. obige Postings – das Jahr, in dem auch drei andere chinesische Bischöfe geweiht wurden, allerdings ohne päpstliche Zustimmung – das Jahr einer ersten Abkühlung nach Tauwetterphase.

      Löschen

Bitte beachten: DERZEIT versuchsweise wieder Leserkommentare möglich. Anonyme oder beleidigende Zuschriften haben keine Chance! Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bis zur Freischaltung Ihres Leserbeitrages kann es einige Stunden dauern!
Zuschriften, die nach 19.45 Uhr eintreffen, können zumeist erst am
nächsten Morgen online sein!
=================================================================================